Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 306 (sequence 8)
- Language
- German
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306 Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechtt. Stimmen scheint aber dieses Ergebnis höchst zweifelhaft zu sein. Das Quellenmaterial ist ja so spärlich, daß es ein sicheres Urteil nicht erlaubt. Aber die schon erwähnten und für unser Problem so wichtigen Abreden zwischen David und Saul fordern offenbar eine andere Deutung. Wir erinnern uns, wie David hei den! ehrenvollen Antrag des Königs Angst hat, weil er ,,ein armer und geringer Mann sei“, und wie ihn Saul durch die Zusicherung beruhigt, er wolle keinen Mohär. Nur um einen Brautpreis, der an den Vater, nicht aber um eine Morgengabe, die an die Tochter zu entrichten ist, scheint es sich in diesem Falle zu handeln. Und zugleich entkräftet diese Stelle die Folgerung, die Buchh o 1 z (Die Familie in rechtlicher und moralischer Beziehung, 1867, ’S. 41) aus der Tatsache zieht, daß das AVort nur an solchen Stellen des Pentateuch vorkomme, wo von einer virginitas erepta die Rede sei. Bei Michal ist hieran gar nicht zu denken, und die Bedeutung des Wortes reicht viel weiter. . ‘ Die Fälle in der Bibel mögen zweifelhaft sein. Unter allen Umständen aber scheint d‘a s t a 11 n a i t i sch e S c h r i f 11 u m die Ehe als einen Kauf anzusehen. Darauf deutet der regelmäßige Sprachgebrauch. M. K e t h. I, 5 erhebt der’junge Ehemann Klage, seine Frau sei bei Eingehung der Ehe nicht mehr Jungfrau gewesen, ,,und mein Kauf ist ein irriger Kauf gewesen“. Keth. 17 a wird ein eigentümlicher Fall behandelt, in dem man ausnahmsweise einmal Fünf gerade lassen darf. Wenn nämlich die Braut lahm oder blind ist, darf man sie nach der Schule Hillels, die auch in diesem Punkte die Liebenswürdigkeit ihres Stifters nicht verleugnet, als ein anmutiges und schönes AVeib preisen. Denn ,,wenn Jemand eine schlechte Ware gekauft hat, soll man sie dennoch rühmen“. Wie ja auch Goethe später den Rat gibt: ,,Preise dem Kinde die Puppe, wofür es begierig die Groschen hinwirft! Wahrlich, Du bist Kindern und Krämern ein Gott.“ Keth, 10b