Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zur Geschichte des biblisch-talmudischen Eherechts
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 304 (sequence 6)
- Language
- German
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304 Zur Geschichte des biblisch'talmudischen Eherechts. Saul, und es war ihm recht“ (I. Sam. 18, V. 20 ff.). Bei den Germanen beruhte die Ehe bestimmt auf einem Brautkauf, aber dieser ,,besaß nicht die Bedeutung eines Sachenkaufes, sondern war ein familienrechtlicher Akt, der als Hingabe der Braut in Adoption aufgefaßt wurde“ (Schröder, Lehrbuch der deutschen Rechtsgeschichte, 2. Aufl,, S. 68). Auch die Kaufehe ist eben an sich eine reine Rechtsform. Ob sie für die Frau entwürdigend ist oder nicht, das hängt ganz ab von dem Geiste, mit dem das Rechtsinstitut erfüllt wird. Ein guter Geist adelt, ein geringer entwürdigt eine jede Form. Sicher herrschte die Kaufehe in der Jugendzeit vieler zivilisierter Völker, gewiß bei den Germanen, bei den Römern und bei den Babyloniern. In Rom hieß eine der alten Eheformen ohne weiteres eoemtio, weil dabei die Frau ״per quandam imaginariam venditionem“ in die Gewalt des Mannes gelangte. Und in Babylon behandelte der Kodex Hammurabi ausdrücklich den Fall, daß der Bräutigam in das Haus seines Schwiegervaters Geschenke geschickt und den Brautpreis bezahlt habe (§ 159—161). Herrschte sie aber auch im alten Israel? Das ist ein schweres Problem. Denn wir sind über die Formen der Eheschließung dort nur schlecht unterrichtet. Maimonides nahm, wie schon erwähnt, nur zwei Formen als biblisch an, die Begründung der Ehe durch Beiwohnung und den Abschluß durch schriftliche Urkunde. Die verschiedenen biblischen Gesetzbücher geben zwar ausdrückliehe Bestimmungen über die Scheidung, nicht aber über die Schließung der Ehe, und es könnte wohl sein, daß die alte Zeit manche Form kannte, von der wir heute nichts mehr wissen, und die sich nur in dürftigen Andeutungen in den poetischen oder prophetischen Büchern erhalten hat. ,,Breite Deinen Mantel aus über Deine Magd“, bittet Ruth (3,9) den Boas. Und bei Ezechiel 16, 18 spricht Gott: ,,Ich schritt an Dir vorüber und schaute Dich, und