Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine neue Talmudübersetzung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 297 (sequence 9)
- Language
- German
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Eine neue TalinuduberSetzung. 297 Zur Charakterisierung der ״Kritik“ unseres Übersetzers, will ich nur noch einige wenige seiner Anmerkungen anführen. S. 11.11,11: ״Daher verdiente David, daß von ihm Kilab abstammte. Rabbi Johanan sagte: Nicht Kilab heißt er, sondern Daniel. Und warum wird er Kilab genannt? Weil er das Gesicht Mephiboschets bei der Halakha zu beschämen pflegte“. Dazu bemerkt der Übersetzer: 1. Richtig lautet der Name Dodija; 2. Kilab ein nichtexistierendes Wort u. s. w. Unser Kritiker, verweist auf II. Sam. 3,3. Dort aber heißt es: Und der zweite Kilab vonAbigal; also ist Kilab ein existierendes Wort. Hat der Kritiker den Text gelesen, auf den er verweist? Wer aber ist der Dodija? Also, was nicht existiert, ist für unseren Kritiker das Richtige und was im Bibeitext steht, ist für ihn ein ״nichtexistierendes Wort“. Wie soll man einen solchen Gallimathias verstehen? Hätte der Kritiker sich die Mühe genommen, den Hinweis Goldschmidts nachzulesen, wäre ihm diese Blamage erspart geblieben. S. 15. 18,2: ״Die Tafeln“ sind die zehn Gebote. ״Die Tora“ ist die Schrift“. — Unser Kritiker bemerkt Folgendes: ״Dies ist falsch; denn der Interpolator von Ex. 24,12 verstand unter Tora: Dt. 10,12—26; 15.“ Er macht also allen Ernstes den Rabbinen den Vorwurf, daß sie die Behauptungen der modernen Bibelkritik nicht kennen. Darin zeigt sich entweder eine unglaubliche Naivität oder das heiße Bemühen, den Rabbinen unter allen Umständen eins am Zeuge zu flicken, selbst auf Kosten des gesunden Menschenverstandes. S. 15 Anm. 3: ״Nach der Zerstörung Jerusalems durch Titus (70 n. Chr.) gemäß der Weissagung Daniels und Christi änderten die Rabbiner den alttestamentlichen Kanon, Schlüßen schon zu christlich klingende Bücher aus und führten die jetzt bei den Juden gebräuchliche Einteilung der Hl. Schrift ein ...“ — Letzteres ist natürlich vollkommen richtig, nur hat unser Kritiker übersehen, daß es um 70 n. Chr. keine christlichen Bücher im Kanon des Alten Testamentes geben