Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine neue Talmudübersetzung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 296 (sequence 8)
- Language
- German
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296 Eine neue Talmudubersetzung. 30. ״Die Verfasser der Gemara wußten nicht mehr, daß Urim und Tum im (vgl. Ez. [soll heißen: Ex.] 28,30) die ״göttliche Offenbarung״ bezeichnet. Sie hielten es für einen Gegenstand der Wahrsagung. Die Redewendung ״Die Urim (und Tumim) befragen" beruht daher auf dieser Unkenntnis (S. 10 Anm. 1). — Es gii5k ein Buch, das Pentateuch heißt oder die. fünf Bücher Mosis, dort heißt es im vierten Buche im 27. Kapitel Vers 21 folgendermaßen: ״Er soll aber vor Eleasar, den Priester treten, damit dieser die Entscheidung der Urim vor Gott befrage; nach seiner Anweisung sollen sie aus- und einziehen, er samt allen Israeliten und die ganze Gemeinde״. Wenn dieses Buch unserem Talmud-Übersetzer und -Erläuterer nicht bekannt ist, so können die Verfasser der Gemara nichts dafür. 31. Im Talmudtext 6a heißt es: מדו דתימא דינא של&א בעלמא d. h. du konntest meinen, Rechtsprechung sei bloß Friedens- Stiftung; ähnlich Goldschmidt: Du könntest sagen, das Gericht sei nur ein Friedensakt. Die neue Übersetzung aber lautet: ״Weil du sagen könntest, das Gericht sei ganz weltlich״ (S. 22.32,16), wozu noch bemerkt wird: unrichtig bei Gold- Schmidt! Dies ein Teil des Ertrages von bloß zehn Seiten. Das genügt doch, um mein Urteil über die neue Talmudüber- Setzung zu begründen. Daß die bei manchen christlichen Theologen üblichen Glossen, wie: ״Wortklauberei״ ,״Wort- Spielerei", ״Der Talmud weiß nicht״ ,״Die Rabbinen * wissen nicht“, ״Das ist falsch״ u. dgl., nicht fehlen, ist selbstverständlich, wie wir schon, zum Teil gesehen. Die Gelegenheit, diese Bemerkungen anzubringen, scheint auch hier der einzige Beweggrund zu sein — wenn man vom geschäftlichem Interesse absehen will. Ein anderer Zweck ist nicht ersichtlich. Diese spitzen und hämischen Bemerkungen sind ja außer den neuen Übersetzungsfehlern das einzige Selbständige, das manche christliche Talmudübersetzer zu ihren Quellen, Goldschmidt und Strack, hinzufügen können.