Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine neue Talmudübersetzung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 298 (sequence 10)
- Language
- German
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298 Eine neue Talmudübersetzung. konnte. Wann wurden diese ״christlichen Bücher“ verfaßt und wann und von wem wurden sie in den Kanon auf• genommen? Unser Kritiker wird doch kaum im Emst glauben, daß die Rabbinen zuerst christliche Bücher in den Kanon aufgenommen, um - sie gleich wieder aus demselben auszuschließen. Aber woher weiß unser Kritiker dies alles, warum nennt er nicht diese christlichen Bücher, wenn er׳ sie kennt? S. 15־ wird ein Bibelzitat übersetzt: ״Mögen jauchzen die Frommen im Herzen, . . und es wird dazu bemerkt: ״Maßoretischer Text: in Ehren“. — Aber im Talmud wird doch eben der maßoretische Text zitiert:' בכבוד! Bedeutet dieses Wort im Talmud anders als im maßoretischen Text? S. 23. 33,12: ״Es sprach der Heilige — gepriesen sei er! — zu Israel: Ihr habt mich zum Alleinherrscher der Welt gemacht, ...“ — Dazu bemerkt unser Kritiker: ״wirklich?“ Unser Kritiker scheint nicht zu wissen, daß die Rabbinen Juden waren und als solche nicht anders konnten, als an die Einheit und Alleinherrschaft Gottes glauben.; Übrigens ist im Texte nicht von Herrschaft die Rede, denn חפדבה bedeutet nicht ״Herrscher“, sondern ״Hervorragendes“, und die Stelle ist zu übersetzen: Ihr habt mich als das einzige Hervorragende erklärt. Hier feiert die längst abgetane komische Gleichsetzung von חטיבה י mit Khedive ihre Auferstehung. Freilich findet sich der Unsinn auch bei Goldschmidt. Im Übrigen bestehen die kritischen Noten größten Teils aus Bibelkritik, die doch in einer Erläuterung _zum Talmud absolut keinen Platz haben. Aber im Talmud werden Bibelstellen zitiert, so wird aus der bibelkritischen Literatur alles herbeigeschafft, was zu jenen Steilen bemerkt wird.