Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 5 · p. Seite 255

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 5
Article
Der Kuß
Date
1921-01-01
Page
Seite 255 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2829132-2829903-2829907-2831083--44482-2831168
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Der Kuß. 255 Nr. 2311). Dazu v. Schönthan, der Kuß: 10 Bilder mit Gedichten. Berlin 1891. Aus anderen Gesichtspunkten betrachtet O. Scheuer die Frage (Z. f. Sex. Wiss. VII, 1911, — Nr. 7, Frkf. a. M.). b) Allgemeines. Der nächste Anlaß für die jüdische Literatur, vom Kusse zu sprechen, war der Kuß des Hohenliedes. Der Kuß der Leidenschaft, mit dem das H L beginnt — Scheffel nennt den Küß das stumme Hohelied der Liebe — wurde in Synagoge und Kirche, wie das ganze Büchlein, allegorisch umgedeutet. Die Ranken agadischer Schriftauslegung überspinnen das H L. Im Banne der allegorischen Auffassung steht fast die ganze jüdische Schriftauslegung. Schon das Targum ist nur Widerhall des Midrasch, Er küsse mich mit den Küssen seines Mundes (HL 1, 2): Gott hat mit uns in der Offenbarung gesprochen, wie jemand, der seinen Nächsten küßt. Die Offenbarung wird im Symbol des Kusses angeschaut (s. weiter unten). Der Kabbala, besonders dem Sohar, ist der Gedanke sehr willkommen. Er küsse mich usw.: jeder Kuß ist dazu bestimmt, Geist -mit Geist, niedere Geister mit höheren zu verbinden (Sohar 1, 70a. 137a. 2, 124b. 253b. 254a. 356b). Tobia b. Eliezer in Kastoria (1097) sieht eine Hindeutung auf die Länge des Exils darin: Gott möge Elia, den Propheten, senden und Israel im Kusse erlösen (Salfeld HL 141). Rasi (1040—1105): die Gemeinde Israels betet im Wittum des Exils, der König des Friedens möge sie, wie vor Zeiten, auf den Mund küssen, wie der Bräutigam die Braut. Auch sein Enkel, R. Samuel b. Meir, sieht die Sehnsucht des im Exil leidenden Israel in dem Bibelvers angedeutet.. Mose Ibn Tibbon (um 1260) und Levi b. Gerson (1325) sehen im Kusse Gottes die Vereinigung mit dem aktiven Intellekt. Abraham Ibn Esra (1167) läßt wohl die wörtliehe Erklärung zu Worte kommen, sieht aber im HL die Allegorie der Geschichte Israels und im Eingangsvers: er

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.