Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die galiläischen Synagogenruinen und die Halakha
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 5)
- Language
- German
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Die galiläischen Synagogenruinen und die Halakha. 215 nicht in der Synagoge, sondern in einem Nebenraum untergebracht und nur im Bedarfsfälle herbeigeholt worden war. Man darf eben die spätere Entwicklung nicht auf die talmudische Zeit übertragen. Doch Watzinger glaubt in der Synagoge zu Kapernaum die Spuien eines festgebauten Sanktuariums bemerkt zu haben, das er nun auf die ebenfalls von "ihm ohne ausreichenden Grund angenommene Estrade verlegt und ganz nahe am Eingänge, also an der Südseite, gestanden sein läßt. Damit wäre die ״Kibla“ gen Jerusalem gerettet. Aehnlich verfährt auch D a 1 m a n , wenn er auch andererseits den Wahrnehmungen Watzingers nicht recht trauen will, und auch für Grotte ist diese Plazierung des heiligen Schreins ,,kaum ernsthaft zu bezweifeln“. Das würde aber, die ,,Kibia“ als nötig angenommen, soviel bedeuten, daß der Besucher der Synagoge, kaum in dieselbe eingetreten, wie eine Schild wache die Füße zusammenklappt und sich umdreht; wie komisch! Und wie müssen da die Besucher hart aufeinander gestoßen sein! Nimmt man abei an, daß sie tiefer in die Synagoge hineingingen und erst von ihren Sitzen aus sich zum ,,Sanktuarium“ wandten, so müssen sie doch zumindest beim Gehen der heiligen Lade den Rücken gewandt haben, was auch nicht glaubhaft erscheint. Nun will aber Grotte seine Annahme noch dadurch vertiefen., daß er überhaupt die Estrade ( =־ Almemor) als das Hauptstück des Innern der Synagoge hinstellt, dem gegenüber der aus Holz gemachte heilige Schrein sich mit einem Platz ,,an einer weniger hervorgehobenen Stelle der Synagoge“ begnügen mußte. Der Gedanke an und für sich erscheint mir recht plausibel, und Grotte hätte dafür anführen können, daß den׳ Kern des synagogalen Gottesdienstes nicht das Gebet, sondern die Thoravorlesung ausmacht, weshalb denn das Lesepult, auf der Estrade untergebracht, naturgemäß in den Vordergrund tritt. Aber ich