Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die galiläischen Synagogenruinen und die Halakha
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 214 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829903-2829907-2831080--44438-2831127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
214 Die galiläischen Synagogenruinen und die Halakha. Norm, die wir noch besitzen, nämlich, daß das Synagogengebäude höher sei als die übrigen Häuser des Ortes, wobei man sich auf das Beispiel des zweiten jerusalemischen Tempels beruft — auch diese Norm war praktisch, besonders in der Diaspora, nicht durchzuführen1). Nun aber enthält die Tosefta (das. vorher) noch einige Details über die Sitz- Ordnung in der Synagoge, und D a 1 m a n strengt sich nicht wenig an, die Befunde der galiläischen Synagogenruinen mit diesen Details in Einklang zu bringen. Er hat nicht gemerkt, daß die Tosefta, an dieser Stelle offenbar abrupt und schlecht erhalten, vom Faste nritus spricht, einem Ritus, bei dem man aus der Synagoge ins Freie hinausging, ־wohin auch die heilige Lade gebracht worden war (M. Taan. II,T), weshalb denn in der Tosefta vorangehend gesagt wird: ,,Und wenn man die Lade niederstellt“ usw, — da erst paßt die dort beschriebene Situation2)! Was ist es denn mit den galiläischen Synagogen, was die Forscher, mich selbst eingeschlossen, so sehr in Verlegenheit bringt? Diese Synagogen sind zumeist nach Norden ,,orientiert“, d. i. ihr Eingang befindet sich im Süden, und wenn wir uns nun die heilige Lade, nach dem uns geläufigen Bauschema, der Eingangswand gegenüber, d. i. im Norden, denken, ״so ergäbe sich die allem Ritus hohnsprechende Gepflogenheit, der heiligen Stadt beim Beten den Rücken zuzuwenden“ ( Grotte). Diese Schwierigkeit fällt aber sofort weg, wenn, wie schon bemerkt worden, eine Gebetsrichtung innerhalb der Synagoge überhaupt nicht nötig war; sie fällt ferner weg, wenn, wie ebenfalls schon angedeutet worden, für die bewegliche heilige Lade überhaupt kein fester Standort angewiesen war, ja, wenn man annimmt3), daß die heilige Lade gar. 1J Siehe L. Löw, Gesamm. Schriften IV, 27 f. 2) Das Nähere s. in meinem Werke ״Synagogale Altertümer“. 3) Vgl. Elbogen , Der j. Gottesdienst in seiner geschichtl. Entw., S. 470.