Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die galiläischen Synagogenruinen und die Halakha
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 3)
- Language
- German
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Die galiläischcn Synagogenruinen und die Halakha. 213 2. Vor eine schwere Aufgabe sind wir gestellt, wenn wir auf Grund von talmudischen Nachrichten die Orientation der alten Synagoge bestimmen wollen. Aus den in Anknüpfung an meine vorhin erwähnte Schrift laut gewordenen Stimmen1) geht hervor, daß in der Halakha eine bestimmte Orientierung nicht vorgeschrieben ist. Die bekannte Vorschrift (b. Berakh. 30a, vgl. Schulchan Arukh § 94), daß man sich beim Beten gen Jerusalem und gen das Heiligtum wenden soll (nicht: muß), spricht von einem, der auf freiem Felde betet, wie aus dem ganzen Tenor der Stelle hervorgeht und auch daraus, daß anderwärts (das. 28b) von einem gesprochen wird, der zu Esel reitet oder auf dem Schiffe fährt. Das pflegt man gewöhnlich außer acht zu lassen. Die einzige bauliche Norm, die wir besitzen (T. Megilla IV, 22, p. 227) und die immer wieder angeführt wird, unter anderem auch von D a 1 m a n und Grotte, hat gewiß nur theoretischen Wert, denn die Vorschrift, daß die Pforte der Synagoge an der Ostseite derselben angebracht werden soll, u. z. mit der Begründung, weil die Stiftshütte von ehemals ebenfalls an der Ostseite, ihren Eingang gehabt hatte, war praktisch gewiß nicht durchzufühlen, und wurde auch nicht ausgeführt, wie am besten die galiläischen Synagogenruinen beweisen. So war auch die andere bauliche ג) In Blochs Oesterr. Wochenschrift 1912, S. 549, 568, 580, 607 (M. Mieses, S. Mandl, S. Spinner). Während G. D a 1 m a n (Orte u. Wege Jesu, S. 144 f, )richtig zitiert, beruft sich Grotte (oben S. 18 Anm. 3) nur ganz ungenau auf diese Stimmen. Von mir zitiert er unter Anführungszeichen, daß in der Nordrichtung der Betenden eine ,,gedankenlose^ Nachahmung südjudäischer, tempelwärts gerichteter Synagogen“ zu erblicken sei. Diese Worte entlehnt Grotte der betreffenden Stelle bei Dalman, S. 144; ich habe mich in meiner Schrift (S. 5) ganz anders ausgedrückt: ein altes Baumotiv wurde in der Folgezeit beibehalten. Man wird zugeben, daß das ganz anders klingt. Uebrigens bin ich von diesem Gedanken abgekommen.