Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen der Menschen
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 21)
- Language
- German
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184 Anteilnahme der physischen Welt an den Schicksalen des Menschen. dieses (nämlich die grausame Behandlung der Märtyrer) mehrere Tage hindurch geschah, ereignete sich folgendes Seltsame. Die Luft war rein und hell und der Himmel wunderbar heiter. Da begannen plötzlich die meisten Säulen, welche die öffentlichen städtischen Hallen (in Cäsarea) stützten, wie eine Art Tränentropfen zu vergießen. Auch die Marktplätze und die Straßen wurden, während kein Tröpfchen aus der Luft kam, ich weiß nicht woher, vom Wasser naß und feucht, so daß alsbald alle Leute sagten, die Erde weine in unsagbarer Weise, weil sie die Frevelhaftigkeit des damals Vollbrachten nicht tragen könne. Zur Beschämung der harten und lieblosen Natur der Menschen hätten die Steine und die leblose Materie über das Geschehene geweint. Als Geschwätz und Fabel, weiß ich wohl, wird spätem Menschen das Gesagte erscheinen, nicht so denen, denen der Zeitpunkt selbst die Wahrheit der Sache bekräftigt hat“1). Zum Umstürzen der Standbilder gibt es folgende. arabische Parallelen: a) In der Nacht, als Moses geboren wurde, stürzten die Götzen in allen Tempeln2). b) Der Vater des Nebi Salech war Diener an Götzenkirchen. Als aber die Zeit kam, wo Nebi Salech geboren werden sollte, wurde sein Vater deshalb von seinem Dienste weggejagt, weil die Götzen umfielen, so oft er in die Kirche trat. Dasselbe wiederholte sich auch später׳ als Nebi Salech selbst Diener an der Götzenkirche wurde3). x) Eusebius, Kirchengeschichte VIII 9. Vgl. Joel, Blicke in die Religionsgeschichte 18 1. 2) Weil, Bibi. Legenden der Muselmänner S. 134. 3) Volkserzählungen aus Palästina [Forschungen zur Religion und Literatur des Alten und Neuen Testaments Heft 17] S. 7. Es liegt hier offenbar eine Reminiszenz an die Abrahamlegende vor: Abrahams Vater war Götzenpriester und Götzenerzeuger. Abraham wird mit dem Verkaufe der Götzen betraut. Als er sich für dieses Geschäft unfähig erweist, wird er zum Diener oder Priester