Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 4 · p. Seite 161

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 4
Article
Die Stellung der Juden in den 1793 und 1795 von Preußen erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme
Date
1921-01-01
Page
Seite 161 (sequence 11)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2829132-2829903-2829906-2830960--44373-2831041
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

erworbenen polnischen Provinzen zur Zeit der Besitznahme. 161 werks, und in Lissa die jüdischen Schneider überhaupt keine Gesellen hatten halten dürfen, und daß in Bentschen nach dem christlichen Kürschnerprivileg von 1770 ein zuziehender jüdischer Kürschner erst ein Probestück auf dem Schloß ablegen mußte1), da dies alles berechtigte Versuche der christlichen Zünfte waren, die allgemeinen Schutzmaßregeln der Zunf!Verfassung auch auf die Juden auszudehnen. In den meisten von ihnen stark betriebenen Handwerken hatten die Juden eigene Zünfte gegründet, die nach dem Muster der deutschen Zunftverfassung eingerichtet, in einem ähnlichen Verhältnis zu Gemeinde und Religion, wie jene zu Stadtverwaltung und Kirche standen2). Wo sich jüdische Handwerker nicht kr eigenen Zünften zusammengefunden hatten, scheinen sie-sich einer am Ort bestehenden, andersgearteten jüdischen Zunft angeschlossen zu haben. So waren beispielsweise in Gnesen die jüdischen Handschuhmacher, Posamentierer und Schmuckler der jüdischen Schneiderzunft und ihrem Verhältnis zur christlichen Zunft unterworfen3) und in Wreschen4) hielten sich die jüdischen Kürschner zur jüdischen Fleischerzunft. Andererseits traten im wirtschaftlichen Wettbewerb auch jüdische Zünfte mit den üblichen Mitteln des Privilegienkampfes gegeneinander auf: so hatte das Privileg, das die jüdischen Kürschner Lissas im Jahre 1764 erhielten, seine Spitze gegen die Lissaer jüdischen Schneider5). Innerhalb der jüdischen Zunft aber herrschte genau dasselbe vorsichtige Streben nach Niederhaltung der Kon- ף G. T. 98, 88 und A. VIII. 24, BL 38. 2) Beispielsweise hatten die jüdischen Fleischer in Lissa ihre eigene Synagoge und 12לל die dortige jüd. Schmuckler- und Schneiderzunft ihren eigenen Rabbiner. Lewin 23. 3) A. VIII. 2ל Nr. 2 und '7. 4) G. T. 120. 5) Lewin 94. Monatsschrift, 65. Jahrgang. 11

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.