Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 4 · p. Seite 129

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 4
Article
Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
Date
1921-01-01
Page
Seite 129 (sequence 23)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
87% known words query
IRI
…/2829132-2829903-2829906-2830958--44339-2831009
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. 129 und wieder andere trägt es übervoll dahin, ... es treibt sein Spiel, indem es nach der Weise der Krüge am Schöpfrade verfährt.“ Ferner wird der Kreislauf der Wiedergeburten mit einem Rade verglichen: ,,Wie Schöpfeimer am Wasserrad herumlaufen, so kommt man im Kreislauf der Wiedergeburten stets wieder im Mutterschoß zur Geburt“.1) Und im späten Buddhismus2) ist auch von dem stets rollenden ,,Rad des Todes“ die Rede. In Indien ist das Rad nicht zum Symbol der Glücksgöttin Sri geworden; sie wird nur als Herrin der unbegrenzten Fülle (bhümäparimitah A. Br. VIII 5), unbeständig und flüchtig bezeichnet (M B11 ed. Calcutta 13, 3861; 12, 8258) 3). Vollständig unabhängig von Indien ist bei den Griechen das plastische Bild von der Schicksalsgöttin T6%7] mit dem Rade (füxÄog) entstanden (vgl. A. Dieterich, Nekyia 88), woher die etwa seit Beginn der Kaiserzeit auf tauchende rota fortunae (,,Glücks־־ rad“) der Römer stammt (vgl.. Pauly-Wissowa, Realencycl. VII 19. 37, 41, Roscher, Lex I2 1506 f). Aus dem Lateinischen ist diese Vorstellung nach J. Grimm D. M. II 722 ff. ins Germanische eingedrungen. Seit dem Ende des 1. Jahrhunderts n. Ch. ist das Rad als Symbol des veränderlichen Glückes auch im jüdischen Schrifttum zu belegen. ,,Es gibt ein (Schicksals)-Rad, und dieses kommt zu jedem“. (Wajjiqrä R. P. 34). ,,Das Rad dreht sich in dieser Welt“ (Sabb. 151b) ,,Diese Welt ist ein Rad“. ,,Diese Welt gleicht einem Wasser־־ schöpfrad im Garten4). Die unteren Krüge steigen voll in ף Yogatattva-Up. 54; vgl. Jätaka XXI Nr. 537 (Mahä- Sutasoma Jätaka). 2) Jätaka IV Nr. 314 (Lohakumbhi Jätaka). 3) Die Göttin &r1 ist ,,unbeständig wie eine. Meereswoge'‘ (Kathäs. 62, 164) und ,,schwankend wie eine Schaukel“ (Prabodhac. 96). 4) Das mit Eimern versehene Schöpfrad, womit auch ein indischer Dichter das Schicksal vergleicht, sieht man gleichfalls in Indien. Während dasselbe durch einen unter ihm herlaufenden Bach gedreht wird, füllen sich die in ihm eintauchenden Eimer und Monatsschrift, 65. Jahrgang. 9

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.