Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 22)
- Language
- German
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128 Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. 7. Die wichtige Frage, ob und wie weit eine Kultur von der anderen beeinflußt ist, muß man sich stets vorlegen. Dieses läßt sich zuweilen aus den Lehnwörtern ersehen, die jede Sprache, wenn auch׳ in verschiedenem Grade, aufzuweisen hat. Deckt sich also die Vorstellung eines Volkes mit der eines ändern, unter dessen kulturellen Einflüsse es nachweislich gestanden, so ist immer zuerst festzustellen ob sie bodenständig oder Lehhgut ist. So ist bekanntlich das Lateinische stark vom Griechischen beeinflußt, während das Lateinische wiederum einen nachhaltigen Einfluß auf das Germanische äusgelibt hat. Als Entlehnung ist sicher solche Vorstellung anzusehen, die im Widerspruch steht zu der einheimischen, urwüchsigen Ideenwelt des betreffenden Volkes und sich nicht infolge einer gleichartigen geistigen oder seelischen Grund Veranlagung. aus ihr hat entwickeln können. Vielfach läßt es sich, unmöglich entscheiden, ob Entlehnung vorliegt. Dieses mag uns folgendes Beispiel veranschaulichen. Uns ist das Bild vom rollenden Glücksrad geläufig. Und wäre es noch nicht vorhanden, das unbeständige Glück hätte gegenwärtig diese plastische Gestalt erhalten. Ber( its ein altvedischer Dichter hat diesen Vergleich angewendet. So lautet Rgveda X 117,6: ״Denn wie Wagen״ räder sich drehen, so stellt sich bald bei dem einen, bald bei dem andern der Reichtum ein/' Treffend wird dieses von K. Geldner, Siebenzig Lieder des Rgveda 1875, 156 übersetzt: ,,Das Glück rollt hin und her wie Wagenräder,, bald kehrt es ein bei diesem, bald bei jenem". Dieser Vergleich kommt in der späteren indischen Literatur ganz vereinzelt vor, so in M Bh 12, 6475, Hit. I 164 (■= Böhtlingk, Ind. Sp>r. 2. Aufl. 7086 und7083): ,,Glück (sukham) und Unglück der Menschen drehen sich gleich einem Rade". Das Schicksal (vidhi) wird mit einem Wasserschöpfrade verglichen in Mrcchak. (ed. Stenzler) 178, 7: ,,Das Schicksal leert oder füllt einige, fördert andere in die Höhe, bringt einige zu Fall