Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 126 (sequence 20)
- Language
- German
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126 Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. ״Meine W egezehrung (ודאVI) ist wenig für den fernen Weg.“ Sowohl in Indien als auch im Judentum suchte man schwierige Fragen durch Gleichnisse zu erläutern. Die Materie als blind aufzufassen, liegt dem Denker sehr nahe. Der Tor, der den Sinnengelüsten folgt, wird mit einem Blinden verglichen (vgl. Jes. 29,18; 42, 7. 16. 18f., 43, 8; 56, 10) der in Finsternis wandelt'(Jes. 42,16 ־, Misle 2,13, Koh. 2,14), dagegen der Wissende als der Sehende (פקח) charakterisiert1). Aehnliche Gedanken sind im Parsismus undin Indienzu belegen. Durch die böse Religion gerät der Mensch in geistige Blindheit (Dinkerd ed. Peshotan Sanjana Vol III 1881, 140). ,,Man nimmt die Seele in der körperlichen Form als das Auge des Nachdenkens wahr“ (a. a. O. p. 173). Im Altindischen vergl. Brh. Upan. IV 4, Isa״Up 9: ״In blinde Finsternis fahren diejenigen, welche dem Nichtwissen huldigen“2). In der Aksyupanisad wird das Geistige mit dem Auge verglichen (vgl. Aufrecht, Sanskr. Hand- Schriften der Staatsbibi. München 1909, 116). Die geistlose Materie als blind aufzufassen, ist also für den jüdischen und indischen Denker ganz natürlich. Ferner ist auch die Anschauung, daß die Seele das Licht in dem Körper ist, sowohl in Indien als auch im Judentum zu belegen (Scheftelowitz, Altpers. Rel. u. d. Judent. 144). Ist die Materie blind, hingegen die Seele sehend, so lag es nahe, das Zusammenwirken von Körper und Seele sich unter dem Bilde eines Blinden und sehendenLahmen vorzustellen. Somit ist nicht der geringste Anhaltspunkt vorhanden, daß dieses Gleichnis aus Indien stamme. Uebrigens herrscht inhaltlich ein großer Unterschied zwischen dem. indischen und jüdischen Gleichnis. Im Indischen leitet die lahme Seele den blinden Körper und rettet ihn aus der Welt der Leiden. Im Judentum erregt die lahme Seele den ף Vgl. Gen. 3,5. 7; Semot. R. P. 48; §abb. 153a. 2) Nach Käth. Upan. 2,5 sind die Unwissenden ,,wie Blinde, die von einem Blinden geführt werden.