Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 65 (1921)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
- Date
- 1921-01-01
- Page
- Seite 123 (sequence 17)
- Language
- German
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Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. 3 23 Herzen seinen Sitz hat, der rasche, schnelle“, Rgv. VIII 100, 5; Ath. V. VI 18, 3; Äsv. Gr. 111-6, 8). Ich habe zahlreiche Sammlungen liegen von Parallelen zwischen indischen und biblischen Vorstellungen und Erzählungen, welche beweisen, daß ähnliche Ideen und Anschauungen bei verschiedenen Völkern unabhängig von einander sich entwickeln können. 6. Im Literaturblatt des Israelitischen Familienblattes, Hamburg, 31. August 1911, hatte ich den Ursprung des im Talmud belegten Gleichnisses vom Lahmen und Blinden auf Indien zurückführen wollen. Denselben Standpunkt nimmt auch R. Garbe, Sämkhya-Philosophie 2. Aufl. 1917, 223 f. ein. Heute denke ich darüber anders. Der im 5. Jahrhundert n. Chr. lebende indische Philosoph Isvarakrsna vergleicht in seiner Särnkhyakärikä 21 Körper und Seele mit dem Blinden und Lahmen, von denen der erste den zweiten auf seinen Schultern aus dem Waldesdickicht trägt. Der Körper nämlich, die blinde Materie, vollzieht bewußtlos alle Bewegung, alle Tätigkeit in der Welt. Die Seele, selbst Licht, sieht zwar alles Tun, ist aber unfähig, sich zu bewegen, zu handeln und auch nur einen Grashalm zu krümmen. Der Wald ist das Leiden, das dem Welttreiben innewohnt. Infolge der Verbindung mit der Seele wird der ungeistige Körper scheinbar geistig und ebenso die am Handeln unbeteiligte Seele scheinbar handelnd. Der späte Buddhismus hat sich eines ähnlichen Motiv es bedient (vgl. Warren, Buddhism in translation 1909,, 185)1). Viel früher, 1J Im Visuddhi-Magga c. XVII werden nämlich die Wechselbeziehungen von Seele und Körper durch das Gleichnis vom Lahmen und Blinden beleuchtet: ,,Es ist so, wie wenn 2 Menschen, von denen der eine von Geburt blind, der andere lahm ist, den Wunsch hätten, sich auf die Wanderschaft zu begeben. Und der Bünde würde zum Lahmen sprechen: ״Sieh, ich kann zwar ‘meine Füße gebrauchen, doch habe ich keine Augen, um die holprigen und giatten Stellen auf der Straße zu bemerken.“ Der Lahme hingegen würde dem