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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 4 · p. Seite 117

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 4
Article
Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
Date
1921-01-01
Page
Seite 117 (sequence 11)
Language
German
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Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. i 17 Ganz anders zu beurteilen ist der goldene Weinstock, den ,Aristobul als Geschenk Pompejus sandte. Ein heiliger, verehrungswürdiger Gegenstand kann es unmöglich gewesen sein, denn einem Andersgläubigen pflegt man nicht heilige Gegenstände zu schenken; das hätte man als eine Entweihung angesehen. Das Geschenk hat nach meiner Ansicht folgende Bedeutung: Hohe Würdenträger trugen, wie die altjüdischen Schriften berichten, als Symbol ihrer Würde eine z e m ö r ä. Dieses Wort bedeutet eigentlich ,Weinrebe' und. im übertragenen Sinne ,Amtsstab eines Würdenträgers'. Der hohe Würdenträger heißt בצל הזמורה *wörtlich ,Herr der Weinrebe' (vgl. Semöt Rabbä P. 21, Bemidbär Rabbä P. 18, 9). Einem eine hohe Amtswürde verleihen,, heißt נתן זמורה (Jalqut § 650). Wohl anspielend auf den Doppelsinn des Wortes zemörä hat Aristobul Pompejus als בצל הזמורה eine goldene זמורה geschenkt1). Jedenfalls beweisen die. jüdischen Quellen, daß die Selbstbezeichnung Jesu als des wahrhaftigen Weinstocks auf ein geläufiges jüdisches Bild zurückgeht, daß der Weinstock am Eingang des herodianischen Tempels das Volk Israel versinnbildlicht und das Geschenk Aristobuls keineswegs auf eine Verehrung des Weinstocks hindeutet. Daß etwa in urisraelitischer Zeit der Weinstock vergöttert worden sei, dafür gibt es in den israelitischen Quellen nicht den geringsten Anhaltspunkt2). So sieht man, daß selbst dem tiefgründigsten Religions- Wissenschaftler Fehler unterlaufen, sobald er Material aus einem ihm entlegenen Gebiete nimmt, das er nicht kritisch zu meistern vermag. Und ein entlegenes Gebiet ist für die x) Er könnte aber auch durch dieses Geschenk die Unterwürfigkeit des Volkes Israel, das ja durch den Weinstock dargestellt wird, angedeutet haben. 2) Der Weinstock könnte ersprünglicli die Fruchtbarkeit symbolisieren, die dem frommen Israel verheißen wird, vgl. Gen. 28, 3; 48, 4, 16; Lev. 26, 9, Ps. 128, 3.

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