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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 4 · p. Seite 116

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 4
Article
Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
Date
1921-01-01
Page
Seite 116 (sequence 10)
Language
German
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116 Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. durch M. Lidzbarski, Ephemeris f. semit. Epigraphik III 161, gestützt zu werden, der darauf aufmerksam macht, daß die bildliche Darstellung der Rebe in Syrien ungemein verbreitet ist: ,,Das Sujet geht jedenfalls hier in die heidnische Zeit zurück und steht mit dem Kulte eines Gottes der Fruchtbarkeit im Zusammenhang/‘ Allein die jüdischen Quellen widerlegen Clemens Auffassung. Die Bezeichnung des Heilands als eines Weinstocks ist altjüdisch. Beräkot 57 a, Midr. Tehillim Ps. 128 heißt es: ,,Wer eine Rebe im Traume sieht, darf auf den Messias hoffen“ (vgl. auch Targ. Jönat. zu Gen. 49, 11). ,,Wie aus dem Weinstock ein Zweig hervorgeht, der alle Bäume bezwingt, so wird auch von Israel ein Gerechter hervorgehen und von einem Ende der Welt bis zum andern herrschen“ (Wajjiqrä Rabbä P. 36). Auch in Ap. Bar. 37. 39, 7 wird Messias mit dem Weinstock verglichen. Hervorragende Gottesgelehrte werden als ,,Trauben“ bezeichnet (M. Sötä 8, 9, Hullin 92 a, Bamidbär Rabbä P. 16). Anderseits ist der Weinstock das Symbol des gottesfürchtigen Israels (Hullin 92 a, Beres. R. P. 99, Semöt R. P. 8 u. 44, Jelatndenu Wajjehi §10, Jalqut §146). Bereits die Propheten vergleichen das gläubige Israel mit dem Weinstock (Jes. 5, 7; 27, 2, Jer. 2, 21; Ez. 15; 17, 6 ff.; Hos. 10, 1; vgl. auch 4. Esr. 5, 23: Gott hat sich von allen Bäumen den Weinstock erwählt). Nun wird berichtet, daß Herodes an dem Tempel verschiedene Verzierungen anbrachte, so an den Tempelfenstern vergoldete Kronen (M. Middöt, 3, 8, Tösaföt zu Hullin 7 a). Einen Adler hatte Herodes über dem Tempeltore anbringen lassen, dessen Beseitigung aber die Schriftgelehrten durchsetzten (Jos. Ant. XVII 6, 2, Bell. Jud. 133, 2). ,,Und ein goldener Weinstock stand am Eingang des Tempels“, berichtet M. Middöt 3, 8. Nach den jüdischen Kommentaren zu dieser Stelle sollte dieser Weinstock das Volk Israel versinnbildlichen. Und diese Erklärung ist richtig. Der Weinstock war ein bekanntes Bild für Israel und den Messias und kein Gegenstand der Verehrung.

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