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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1921-01-01 · Heft 4 · p. Seite 113

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
65 (1921)
Issue
Heft 4
Article
Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung
Date
1921-01-01
Page
Seite 113 (sequence 7)
Language
German
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Ein Beitrag zur Methode der vergleichenden Religionsforschung. 113 sondern auch, mit den alt jüdischen Quellen vertraut ist. Fehlt eine dieser zwei Grundbedingungen, so gelangt er manchmal, durch äußere Aehnlichkeiten verleitet, die er bei anderen Völkern findet, zu haltlosen Schlüssen. Die Entwicklung jeder Vorstellung und Sitte eines Volkes muß zunächst in den Urkunden des betreffenden Volkes untersucht und zurückverfolgt werden. Vielleicht findet sie in dessen Religionsvorstellungen ihre Erklärung, die zuweilen durchaus nicht anwendbar ist für den Ursprung der bei einem anderen Volke nachgewiesenen Parallele. So bedeutet in spät jüdischer Zeit שמים ,Himmel' auch ,Gott'1). Die Vergötterung des Himmels existiert nun im Parsismus. Demnach könnte man folgern, daß diese erst in spät-jüdischer Zeit auftretende Bezeichnung des Himmels für Gott aus dem Iranischen entlehnt sei, zumal da Bousset, Religion des Judentums,, 2. Aufl._, 351A annimmt, daß der Ausdruck ,,Gott des Himmels" (Dan. 2, 18 f. 37) bewußte Anlehnung an die persische Religion sei und auch eine ähnliche Bezeichnung für Gott מקום ,Ort' aus dem Parsismus entlehnt sei (Bousset a. a. O. 591, 2). Doch ist diese Annahme völlig unhaltbar. Zunächst ist Gott bereits in urisraelitischer Zeit als Himmelsgott aufgefaßt worden2) In spät jüdischer Zeit existierte nun eine Scheu, den Gottesnamen auszusprechen. Unter den vielen Namen, die dafür eingesetzt werden, kommen ,Himmel' und ,Ort, Stätte' vor. In beiden Fällen sind offenbar die Namen für die Aufenthaltsstätte Gottes als Um- Schreibung für den Ausdruck , Gott' angewandt worden, denn sowohl der Himmel heißt an!mehreren Bibelstellen מקום (Ez. 3,12, Micha 1, 3, Hos. 5, 15), als auch der Tempel, die Stätte Gottes (vgl. Jes.c. 6), wird ,,Ort (sc. der Heiligkeit, 1I Vgl. Beräk* 13 a, 33 b, 53 b, Hagigä 5 b, 28 b, Äbot 1, 43, Satnh. 27 a, Bäbä M. 37 a, Mö‘ed Q. 17 a. 2) Ygl. Scheftelowitz, Die altpersische Religion und das Juden• tum 1920, 124. Monatsschrift, 65. Jahrgang. 8

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