Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zion und die Galuth
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 205 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2828641-2828642-2828649-2829059--335-2829101- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
kcit alle diese -Nationalstaaten* vielnationale Staaten sind. Dagegen meint Zollschan, daß in national noch jungen Staaten, wie der Ukraine, die nationale Autonomie für die Juden vom Standpunkte der Staatsautorität eher erfüllbar wäre. Die logische Folge wäre gerade umgekehrt, wenn überhaupt Staat und Nation kongruiert wären. Im übrigen ist die nationale Autonomie — sagt Zollschan — für die Juden unmöglich, weil sie noch keine wirkliche Nation sind sondern erst eine natio in statu nascendi, welche er als ethnische Einheit bezeichnet. Diese Anschauungen begründet Zollschan in einem ausführlichen theoretischen Teil Den Juden fehlen die seiner Anschauung nach nötigen elementaren Attribute der Nation, welche »in ihrer elementaren Form schon vorhanden« sein müssen, damit — der Pferdefuß! — »durch nationales Bewußtsein, durch nationalen Richtungswillen und durch die politische Aktivitätstendenz« die Nation »zu ihrer vollen Entfaltung und Krönung« gelangt Die vier attributiven Elemente, welche nach Zollschan die nationale Welt bilden, sind: »Rasse, Raum, Kultur, Staat.« Die Unzulänglichkeit dieser Kriterien sieht Zollschan selbst ein, indem er ihr Wirksamwerden von einer Willensbildung (diesmal als nationales Bewußtsein, Richtungswillen, politische Aktivitätstendenz verkleidet) abhängig machen muß. Hier kracht eben die Konstruktion bedenklich in den Scharnieren. Aber das Charakterbild dieser Attribute und Kriterien der Nation wird noch schwankender, da sich Zollschan beeilt hinzuzufügen, daß von diesen elementaren Attributen >heute nur selten sämtliche vereinigt sind«, daß »wohl das eine oder andere fehlen kann«, daß »aber nie eines allein schon die Nationalität statutieren könnte«. Kinder der Laune, wie ist das nun mit euch? Genügen zwei dieser famosen Kriterien (die, um wirksam zu werden, des Willenshebels bedürfen) oder drei, um die Nation zu konstituieren? Darüber schweigt sich der Vater gründlich aus. Wenn Herr Dr. Zollschan mit zwei zufrieden wäre, so gäbe es für eine jüdische Nation als Grundlage Kultur- und Rassenqualität (womit der Autor im Netz seiner Rassenqualitätstheorie^gefangen wäre!). Aber — wie gesagt — am Ende sind mindestens drei Elemente nötig; nach Belieben! Das ist eitel Spiegelfechterei; denn es gibt keine äußeren Kriterien der Nation, maßgebend für die Bestimmung der Nation ist nur die Willensbildung, das von Zollschan beweislos abgelehnte subjektive Moment Und diese Willensbildung, die Zollschan bei seiner Konstruktion durch ein Hintertürchen einführt, kann und muß 205