Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zion und die Galuth
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 203 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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will wieder einen Zustand schaffen, wo -— diesmal einem auserwählten I eil des Volkes — eine Lebensfunktion zugewiesen ist. In Wirklichkeit handelt es sich um Sicherung eines organischen Lebens. Das bedeutet Neuformung aller Lebensinhalte für Erez-Israel und die Galuth. Zion muß die Erhaltung der Galuth sein. Dazu muß sie organisch sein; wie Zion organisch sein muß. Es war immer, unter den einseitigsten funktionellen Voraussetzungen unseres Lebens, möglichs durch einen Schwerpunkt die Wechselwirkung zwischen ihm und den fernsten Stätten unserer Dissoziation herzustellen. Es wird erst recht möglich sein, wenn dieser Schwerpunkt — in Erez-Israel — ein organischer ist. Der organische Lebensinhalt der Galuth aber, welcher dazu erforderlich ist, wo wieder nur eine einheitliche Grundlage denkbar ist, ist die nationale Neuordnung des Judentum s. Das bedeutet : den Nationsbegriff vom staatlichen Machtbegriff unabhängig machen. Und bedeutet: freie Auswirkung des nationalen Willens. Denn Nation ist nur Willensbildung. Alle sozusagen sichtbaren Kriterien, die man ihr zuspricht, Rasse, Land, Sprache, Kultur, Staat, Schicksalsgemeinschaft oder was sonst als äußeres Kriterium der Nation herangezogen wird, ist unzulänglich. Das wesentlichste Beispiel hiefür sind die lange Zeit »geschichlslosen« Nationen. Daß jedoch der verhältnismäßig junge Nationsbegriff in der politischen und sonstigen Machtideologie so rasch einen so großen Raum einnehmen konnte, erweist, daß eben mit der Wirksamkeit des einzigen Kriteriums des Nationsbegriffes gerechnet wird: dem Willen. Denn Macht ist Bindung des Willens durch einen anderen. Heute geht es in der gesamten Menschheit darum, das freie, nicht machtgebundene Walten des Willens als nationale Kraft herzustellen. Das ist der Kern des bisher gekreuzigten Königsgedankens vom Selbstbestimmungsrecht der Nationen. Doch die Welt, welche heute im stärksten Machtrausch doch schon Lösungen versucht, welche Nationsfragen nicht mit Machtfragen verbinden, ist wohl fähig, das Wesen ihrer Freiheit zu begreifen. In diesem reinen Sinne, der als einziger in einer grundlegenden Feststellung Geltung haben kann, bedeutet Nation nicht, wie bisher Suggestion des Willens durch Bindung an Macht, sondern freie Willenseinstellung, In dieser Weise, nur so, hat das jüdische Volk jahrhundertelang als Nation gelebt Erst als der Nationsbegriff mit dem Machtbegriff verbunden wurde, geriet die jüdische Nationalität gewisser- 203