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Esra · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 202

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Zion und die Galuth
Date
1919-01-01
Page
202 (sequence 2)
Language
German
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stabilen organischen Lebens zu schatten. Das muß und wird Erez-Israel sein für die gesamte Judenheit. Dies bedeutet zugleich — da nicht nur vom Brennpunkt die Strahlen der organischen Lebensfunktion ausgehen, sondern auch zu ihm führen, um sich in ihm zu vereinigen, — die Notwendigkeit organischer Neuordnung der Galuthexist enz der Judenheit. Nur so ist die notwendige Wechselwirkung gewährleistet, ohne die ein Erez-Israel der jüdischen Minorität inmitten einer fremden, oft feindlichen Umwelt keine Dauer hätte. Das heißt: die jüdische Frage kann nur als Gesamtkomplex in Zion uu d der Galuth gelöst werden. Da kommt aber ein Jakob Klatzkin und doziert; »Das Galuthjudentum ist seit der Erschütterung seiner Religionsverfassung nicht mehr lebensfähig.« Und die nationale Erneuerung in Palästinna wird »das Absterben eines Todgeweihten beschleunigen«, indem sie »die Assimilation in der Diaspora begünstigen« wird. Selbst wenn sie den Assimilationsprozeß in der Diaspora aufhalten könnte, wäre das Endresultat, »zwei Nationalitätenc und »ein unüberbrückbarer Abgrund würde zwischen ihnen klaffen«. Diese Behauptung ist der schlammige Niederschlag einer Theorie, welche seit Ruppins erster Fassung der »Juden'der Gegenwart« immer wieder auftaucht. Ruppin ist durch die Wirklichkeit und seinen Sinn für die Wirklichkeit belehrt worden. Die Theorie aber ist geblieben. Es ist die jüdische Vernichtungstheorie. Felix Theilhaber hat in seinem Buch unseligen Angedenkens das deutsche Judentum zum Untergang verurteilt. Seither wurde das Ausmaß der Todesurteile mehrfach vergrößert, zum Beispiel von Birnbaum, der sämtliche Westjuden ins Reich der Schatten schickt Und heute wird diese Theorie bald für, bald gegen die Erez-Israellösung ausgespielt Es gibt zionistische »Theoretiker«, welche in Erez-Israel die »letzte Möglichkeit für die Rettung des Judentums« sehen. Und es gibt antinationale »Theoretiker«, welche diese Theorie als das sanfte Ruhekissen ihres Gewissens (das nicht immer gut ist) benützen. Zwischen diesen zwei Heubündeln aber steht zweifelnd der Jude der Galuth, der doch ein Anrecht hat zu leben, ohne daß eine »Auswahl« getroffen wird unter den aufs Aussterbeetat gesetzten neuen Okapi oder Wisentrassen, von denen einige ausgewählte Exemplare in einepi schön angelegten Tierschutzpark erhalten (also zum Leben verurteilt) werden sollen. So sieht nämlich diese Theorie aus. Sie 202

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