Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zum jüdischen Kulturproblem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 199 (sequence 7)
- Language
- German
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mit dem Neuesten verbündete jüdische Luftmenschentum schärfstens ablehnt, jenes internationale kosmopolitische Luftmenschentum, das gerade gegenwärtig zur begreiflichen Ursache erbitterten Judenhasses geworden ist, das umso schärfer abzulehnen ist, als es gerade die sozial schöpferische Kraft des Judentums, wie sie in Marx Lasalle und anderen imponiert, verfälscht und mißkreditiert. Nicht der soziale Geist des Judentums, dessen welthistorische Bedeutung außer Frage steht, der Ausfluß gesunder spezifischer Kraftquellen des Judentums ist, nein nicht gegen diesen ist die Ablehnung gerichtet, sondern gegen die aus der Anomalie des heimatlosen, rechtelosen, verzweifelten jüdischen Volkes entstandene, ungesunde, umstürzlerische, aufklärerische, kosmopolitische Schrankenlosigkeit und Ungebundenheit. Hier an dieser Frage, dieser Wahl zwischen sozialer Nationalkuitur oder internationalem Kosmopolitismus entbrennen immer noch die heftigsten Meinungskämpfe zwischen dem Besten des jüdischen Volkes. Es heißt daher sich weit vorwagen, hier ein letztes Wort zu sprechen (ist doch im geistigen Leben Deutschlands dieser Kampf noch lange nicht entschieden, man verfolge nur Th. Manns in seinen »Betrachtungen eines Unpolitischen« und Kurt Hillers Gegenschrift zur Verteidigung des neuen politischen demokratischen Geistes — eine Polemik mit bedeutenden Perspektiven auch für das Judentum). — Eines jedoch soll hier klipp und klar gesagt werden: 1. Der moderne bewußte Jude hat zu wissen, daß die Grundlagen seiner Weltanschauung in folgender Überzeugung liegen: wahre Menschheitsliebe, wahrer Kosmopolitismus sind nur über die »Ausbildung einer differenzierten Nationalkultur« hin möglich (nach dem Ausdrucke Th. Manns). 2. Zivilisation, wenn sie nicht auf dem Boden nationaler Tradition und Bejahung des Versuches bodenständiger Eigenkultur (also der zionistischen Lösung) steht, ins Zivilisatorische also den Gegensatz von Kultur ausartet Eine Erkenntnis, die zur Folge hat, daß lieber eine gewisse Enge, aber Tiefe der Kultur zivilisatorischer Weite und Universalität, zu welcher der jüdische Geist der Gegenwart hinneigt, vorzuziehen ist. 3. Jeder bewußte Jude muß als moderner Kulturmensch kritischer, vorsichtiger werden gegenüber aufklärerischen neuen Inhalten und Methoden. Er ist es einer gewissen nationalen Solidität und Reife seines Volkes schuldig, nicht bei jedem politischen und gesellschaftlichen Umsturz der fortschrittlichste unter den Fortschrittlichen zu sein. Wie recht Th. Mann in' seiner Zusammenstellung des internationalen zivilisatorischen, 199