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Esra · 1919-01-01 · Heft 7 · p. 195

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 7
Article
Zum jüdischen Kulturproblem
Date
1919-01-01
Page
195 (sequence 3)
Language
German
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schnittsgeist handelt es sich hier, um die vorwiegend geistreichere, witzigere Ausdrucksweise des Juden im täglichen Leben, um die Durchschnittswissenschaft und Durchschnittsjournalistik (übrigens die jüdische Journalistik überhaupt), so daß ein solches durchschnittlich auffälliges Merkmal als ein typisches, scheinbar spezifisches den Wert des Judentums zu beeinträchtigen imstande ist — Ist es nur die alte und schärfer ausgebildete, hochgezüchtete jüdische Geistigkeit und Geistesgewandtheit Überhaupt, der durch Jahrhunderte langes Denken und Deuten zugleich schmiegsam und scharf gewordene Geist des Volkes der Schrift — oder ist es mehr blendende, oberflächliche Virtuosität, eitles Wohlgefallen an geistiger Wirkung, mangelnde Ehrfurcht und Demut des Geistes vor den letzen Dingen und der Welt überhaupt, mangelnder Ernst und Sachlichkeit jeder Materie gegenüber ist es schließlich, ob so oder so, Ausdruck einer unabänderlichen Geistesart alier südlichen Rassen, denen die äußerste Beherrschung angeborener Eitelkeit nur in den reichsten, besten Exemplaren gelingt? Ist nicht vielmehr auch diese Eigenschaft, zugegeben sie wäre zum Teil Eigenart, nicht eigentlich erst in auffallendem Maße in derGaluth der Juden, den Blütezeiten der Talmudscholastik zur Entwicklung gelangt und umsomehr verständlich, als die Gabe des scharfen und schmiegsamen Geistes seinem unglücklichen, heimlosen, körperlich verelendeten Volke das scharfe schmiegsame Schwert der »HerrenVölker<£ ersetzen mußte? — Ist mit dieser Erklärung als einer mehr erworbenen als angeborenen Geistesart nicht ebenfalls die Möglichkeit einer Stellungnahme im Sinne jüdischer Umwertung gegeben? — Kann man sich doch auch gerade hier an vorbildliche Gegentypen stützen, um an ihnen die Möglichkeit und Existenz unwitzigen, tiefehrfürchtigen, ironiefreien jüdischen Wesens zu beweisen. Wem ist nicht in der Hagada in der Manischtane des jüdischen Kraben in ergreifender Weise das naiv Fragende, das scheue, von Ironie völlig freie, ehrfürchtige Fragen nach Sinn und Wesen des Festes sympathisch aufgefallen, dieser Gegentyp des heutigen unnaiven, altklugen Kindes? Sollte nicht — an Parsival den reinen Toren der Germanen soll an dieser Stelle nicht ohne schmerzlichen Neid erinnert werden — eine durchgreifende Wandlung zum Unironischen, Demütigen, Ehrfürchtigen auch im Bereich der neuen Umwertungsversuche einen größeren Spielraum einnehmen? Muß denn die blendende Selbstsicherheit des Geistes, das Überwuchern des Wissens über das Fragen, Geltung und Sieg 195

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