Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Zum jüdischen Kulturproblem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 194 (sequence 2)
- Language
- German
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in die lichte zweckbefreite Daseinsfreude schleichen, unserer Jugend, der nur Lust an der Arbeit an sich nicht um ihres Erfolges willen, die reine Werkfreudigkeit das Leben heiligen kann. Diese innerste Unbekümmertheit und Z we c k b e f r eit h ei t ist es, welche auch neue Möglichkeiten jenes echten glücklichen Leichtsinns böte, dessen unser unglückliches schwerblütiges Volk so selten fähig ist (Wohl sind die Ansätze zur Wandlung in dieser Richtung für die frühe Jugend durch die Ausbreitung der Blau-weiß- Bewegung und die Versuche zur Übertragung der deutschen Jugendbewegung auf die jüdische in mancher Beziehung verheißungsvoll, den Akademikern aber scheint es noch immer an der richtigen Einschätzung dieser Umwertung für die persönliche Kultur zu fehlen, denn die im Kern gesunden, auf das Gegengewicht zu jüdischer Geistigkeit und Teleogismus hinzielenden Absichten jüdischer Verbindungen verscherzen sich durch allzu leichte Verflachung immer wieder das Vertrauen, das diesbezügliche Umwertungstendenzen verdienen würden.) Ironie. Bei der Stellungnahme gegen konkrete Sinnesarten, gegen einzelne Wesensmerkmale ist die Gefahr am höchsten, sie insofern Werturteilen mit Unrecht zu unterwerfen, insofern auf sie als Eigenarten Werturteile überhaupt nicht anwendbar sind. Aber auch im vorliegenden Merkmal, dem auffallenden Einschlage von Ironie und Witz im Wesen des Juden, ist nicht notwendigerweise eine dem jüdischen Wesen spezifische Sinnesart zu erblicken, sondern auch hier lassen sich deutlich die Zusammenhänge mit sonstigen psychischen Diasporaanomalien auffinden. Jedenfalls aber muß besonders in diesem Falle dem Verdacht entgegentreten werden, als ob hier jüdischen Eigenschaften gegenüber eine arische respektive deutsche Gefühlseinstellung zu ungerechten Schlüssen führe, wenn auch zugegeben ist, daß im deutschen Wesen mit Recht der Mangel solcher Eigenschaften vorbildlich wirkt. — Daß die Vorliebe, selbst in Fällen reinster wissenschaftlicher und künstlerischer Darstellung das wirkungsvoll Geistreiche, irgendwie geschmeidig Witzige und sarkastisch Ironische zum Vorschein zu bringen eher bei Juden als Nichtjuden auffällt, ist unbestritten. Doch nicht, daß der Wert wirklicher Ausnahmsbegabungen irgendwie in moralistischer Weise von dem größeren oder geringeren Einschlag dieser Sinnesart abhängig gemacht werden wollte — um den Durch- 194