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Esra · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 188

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Von jüdischer Politik und der Mystik Israels
Date
1919-01-01
Page
188 (sequence 3)
Language
German
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vor Schägen. Wenigstens vorher. Und dann! Glücklicherweise hat sie manchmal wahrend der Schlüge keine An^st davor. Die vielleicht ^loneichsten Soldaten des großen Napoleon, jene des Endes, rekrutierten sie sich nicht für gewöhnlich aus Banden von Deserteuren und Aufrührern, welche die kaiserlichen Soldaten mit Handschellen gefesselt wie eine Herde bis zur Insel Walcheren zurückgedrängt hat. Trotzdem führte zu Lützen, Bautzen, der Beresina, das glorreiche Walcheren-Infanterie-Regiment Kr. 131. Sie sind so oft geflohen, so oft und in solcher Flucht, daß sie den Preis des Nichtfliehens kannten. Gut gebettet, in die modernen Völker eingedrungen, würden sie so gern sich dabei wohl befinden. Die ganze Politik Israels ist, keinen Lärm zu schlagen (man hat genug davon gemacht!), den Frieden in der Welt durch vorsichtiges Stillschweigen zu erkaufen. Sich vergessen zu lassen, bis auf einige prätentiöse Tollköpfe, die die ganze Welt nennt. Soviel Wunden bluten ihm noch. Aber Israels ganze Mystik liegt darin beschlossen, daß es in der Welt seine widerhallende und schmerzensreiche Mission verfolgt. Daraus erklären sich die unglaublichen Zerwürfnisse, die qualvollsten unserer Antagonismen, die es vielleicht je zwischen einer Mystik und einer Politik gegeben hat. Ein Volk von Kaufleuten. Das gleiche : Ein Volk von Propheten. Eines weiß vom andern, was Kalamitäten sind. Die einen wissen für die andern, was Ruinen sind, immer Ruinen und immer wieder, eine Anhäufung von Ruinen, wissen was durch ein Volk, eine Stadt der Ruinen zu gehen heißt. Ich kenne dieses Volk gut. Es hat keine Stelle auf der Haut, die nicht schmerzhaft wäre, wo nicht ein alter, blauer Fleck, eine alte Quetschung, ein dumpfer Schmerz, die Erinnerung an einen dumpfen Schmerz, eine Narbe, eine Wunde, ein vom Orient oder Okzident hervorgebrachter wunder Punkt wäre. Sie haben ihre eigenen Wunden und die aller anderen. So hat man zum Beispiel alle die Juden des annektierten Elsaß-Lothringen als Franzosen verwundet. Es hieße die jüdische Politik im Moment, wo man von ihr spricht, verkennen, wenn man annähme, es seien die jüdische Politik und die jüdische Partei, welche je eine Affäre wie die Affäre Dreyfus aufgerührt hätten. Im Gegenteil. Niemals sind es sie, die Tumulte erregen. Sie verlangen und suchen nur die Stille. Wollen nur vergessen werden. Mit Ausnahme einiger wilder Stürmer suchen, sie nur Schatten und Schweigen. In der Tat und im einzelnen heißt es kein Wort kennen von der Affäre Dreyfus und vom Dreyfusismus und besonders von der Art, wie sie angefangen hat, wenn man sich einbildet, sie sei eine Erfindung, ein Erzeugnis, ein Ersinnen der jüdischen Partei, der jüdischen Politik, und daß die jüdische Partei, die jüdische Politik jemals gern die Morgenröte dieser Affäre tagen sah. Sehr genau trifft das Gegenteil zu. Sie wußten nichts Sicheres, argwöhnten aber. Und argwöhnten mit Recht. Vom Interessenstandpunkt aus. Alles in allem hat diese Affäre ihnen unter den Vorzeichen der Eroberung, trotz scheinbarer Siege unter der Oberfläche des Triumphes viel mehr Nachteil als Vorteil gebracht. In dem Punkt, den die Entwicklungskurve dieser Sache heute erreicht hat, können wir wahrlich ragen, daß wir ein erstesmal Sieger waren über die antidreyfusistischen Dreyfusisten, daß wir ein zweitesmal von den dreyfusistischen Antidreyfusisten 188

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