Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Von jüdischer Politik und der Mystik Israels
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 189 (sequence 4)
- Language
- German
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besiegt wurden, und daß wir endlich heute im Begriffe sind, von beiden vereint geschlagen zu werden. Sie sind mißtrauisch geworden. Sahen sie diesen enormen Tumult, diese enorme Erschütterung voraus? Man sieht nie alles voraus. Und jedenfalls beschwören sie ungern Tumulte herauf. Wie also die Familie des Herrn Dreyfus ganz Frankreich und Israel und die ganze Christenheit für sich gewinnen wollte, da handelte sie nicht nur gegen die französische Politik, sondern auch nicht weniger gegen die jüdische Politik, da sie doch (wahrscheinlich) gegen die klerikale ging. Eine Mystik kann sich gegen alle Politiken zugleich wenden. Wer Geschichte nicht nur aus Federkriegen lernt, wer sie in der Wirklichkeit, in der wirklichen Wirklichkeit zu verfolgen sucht, der weiß, daß die Familie Dreyfus, die werdende Dreyfus-Affäre, der werdende Dreyfusismus gerade in Israel zuerst den stärksten Widerstand fanden. Auch Weisheit ist eine Tugend Israels. Dem Propheten steht der Prediger gegenüber. Viele wollten wissen wozu. Die Weisen' sagen vor allem, daß man Qinen Aufruhr hervorrufen, einen Anfang schaffen würde, dessen Ende vielleicht unabsehbar wäre, dessen Ende man aber besonders in seiner Eigenart nicht voraussagen könnte. In den Familien behandelte man diesen Versuch insgeheim als Narrheit und wieder einmal sollte in dieser von der Unruhe erwählten Rasse die Narrheit siegen. Viel später folgten fast alle, denn, so ein Prophet in Israel gesprochen hat, hassen ihn alle, bewundern ihn alle, folgen ihm alle. Fünfzig Jahrhunderte des Messers an der Kehle lassen sie folgen. Sie wittern die Prüfung mit fabelhaftem Instinkt, mit einem Instinkt von fünfzig Jahrhunderten. Ja, sie erkennen, sie begrüßen den Schlag, Es ist wieder ein Schlag von Jahve, Noch einmal wird die Stadt genommen, der Tempel zerstört werden, ward man die Frauen wegführen. Nach so viel Gefangenschaften noch eine. Lange Züge werden sich in die Wüste schleppen; ihre Kadaver werden die Wege nach Asien vorzeichnen. Wohlan, sie wissen, was es gilt. Sie gürten ihre Lenden für diesen neuen Auszug. Da sie hindurch müssen, werden sie hindurch gehen. Gott ist hart, doch er ist Gott. Er straft und hält aufrecht. Er führt. Die straflos so vielen äußeren, irdischen Herren gedient haben, sie begrüßen endlich den Herrn der starrsten Knechtschaft, den Propheten, den inneren Herrn. In dieser großen Krise Israels und der Welt war der Prophet Bernard- Lazare. Neigen wir uns hier vor einem der größten Namen moderner Zeiten und nach Darmstädter, einem der größten unter den Propheten Israels. Was mich persönlich betrifft, so werde ich, wenn mir das Leben Zeit gibt, es als eine der schönsten Belohnungen meines Alters betrachten, das Bildnis dieses außerordentlichen Mannes endlich klarstellen, ergänzen zu dürfen. Charles Pdguy (Deutsch von Rosa Semler und Josef Kalmer) 189