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Esra · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Zum jüdischen Kulturproblem
Date
1919-01-01
Page
170 (sequence 10)
Language
German
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zehnten Jahrhunderts in dem Typus des natur- und lebensfremden Ghettojuden verkörpert. >Der moderne Mensch aber,« so führt Fromer aus, »erkennt zwar die Ethik als eine unausrottbare Funktion des menschlichen Intellekts an, findet aber* daß auch die Ästhetik eine unausrottbare Funktion des menschlichen Intellekts ist und daher ebenso wie die Ethik berücksichtigt und gepflegt werden muß......Jedenfalls meint er, daß der Zweck, für den die Juden seit Jahrtausenden leiden, doch niemals erreicht werden kann — denn die Ästhetik und Logik lassen sich für Dauer von der Ethik nicht unterjochen. Das Martyrium für eine rein ethische Weltanschauung ist ebenso absurd wie bedauernswert ........man kann aber gegen denjenigen, der die Ethik höher als die Zivilisation stellt und an den Sinn der Ethik glaubt, mit Vernunftgründen nicht beikommen. Was man aber von ihm verlangen darf, ist, daß er über das, was er will und tut und was aus seinem Wollen und Handeln folgen muß, sich klar sei.« — Diese innere Konsequenz, diese >Willensidentität« ist — und in diesem Teil der Ausführung ist Fromer beizupflichten — heute nur mehr beim überzeugten religiösen Ghettojuden vorhanden und war es während der ganzen Diaspora. Von dieser inneren Konsequenz des Ghettojuden und der inneren Inkonsequenz und dem damit beginnenden schweren Konflikt des modernen, sich emanzipierenden Juden, bei dem das jahrhundertelang unterdrückte ästhetische Bedürfnis bei Berührung mit der europäischen Zivilisation elementar zum Durchbruch kam, kann hier nur andeutungsweise gesprochen werden. Aber gerade an dieser Stelle sei hervorgehoben, daß eben in dieser ethischen Unbedingtheit die spezifische Größe und Geschlossenheit des jüdischen Charakters (im Ghettojuden) zu erkennen ist. — Doch erhebt sich nun die Frage: Erstens : soll weiterhin auf die Förderung der ästhetischen Anschauungsweise (und mit ihr auf Emanzipation überhaupt) verzichtet werden, um die spezifische ethische Grundidee stark und rein zu erhalten, oder zweitens : soll, wenn schon mit der siegenden Zivilisation der Durchbruch ästhetischer Bedürfnisse nicht mehr aufzuhalten ist und so eine Auflösung des Judentums nach Ansicht Fromers unvermeidlich (mit dieser Aufrechterhaltung der rein ethischen Idee stehe und falle das Judentum) erscheint, auf das ethische Judentum und in weiterer Konsequenz auf das Judentum überhaupt verzichtet werden (der bekannte, die Assimilation stützende Gedankengang), oder 170

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