Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum jüdischen Kulturproblem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 169 (sequence 9)
- Language
- German
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instinktiver künstlerischer, schöpferischer Kräfte ergeben, berechtigen auch in bewußt jüdischen Kreisen zu einer energischen Stellungnahme gegen die Auswüchse jüdischer Geistigkeit. Von diesem Standpunkt aus sind gewiß alle Institutionen, die die Notwendigkeit eines ungeistigen Gegengewichtes betonen und darnach leben, von diesem bestimmten unschätzbaren Wert für die Entrationalisierung des Judentums. Ästhetischer Mangel und ästhetischer Paroxismus Wie den Sombartschen Anschauungen über jüdischen Rationalismus durch die Stellungnahme Zollschans die Spitze gebrochen wurde, doch mit der Absicht fruchtbarer Selbstkritik und im Sinne eines neuen Kulturkampfes das Stichhaltige der Vorwürfe zugegeben werden mußte, um durch Eingliederung abweichender Ideenrichtungen das Problem der jüdischen Umwertung anzudeuten, ebenso muß auch von anderen Richtungen her in gleicher Weise vorgegangen werden, und zwar lassen sich am besten aus Fromers »Wesen des Judentums« und seiner Einteilung in ethische, ästhetische und logische Grundideen neue Gesichtspunkte aufstellen. Gleichzeitig muß die vernichtende Schärfe des Urteils und die Eigensinnigkeit, mit der Fromer die pessimistischesten Konsequenzen für das Judentum aus seinen Schlüssen folgert, die entsprechende Berichtigung finden. Der Gedankengang Fromers ist folgender: Das Wesen des Judentums besteht in der schärfsten Ablehnung der ästhetischen (und logischen) Idee zu Gunsten der ethischen. Wohl ist schon im biblischen Judentum in der Ablehnung der Naturgottheiten und des Götzendienstes und in der in diesem Zusammenhang sich allmählich entwickelnden Naturfremdheit, ja Feindlichkeit ein Zurückdrängen der ästhetischen Anschauungsweise zu Gunsten der ethischen zu erkennen, im - nachbiblischen Judentum aber stieg das Vorherrschen der ethischen Anschauungsweise mit Unterdrückung der ästhetischen durch fortgesetzte Beschäftigung mit Schrift und Talmud bis zu der für das Judentum charakteristischen Höhe/ (Als bester Beleg dafür sei eine Stelle aus den Sprüchen der Väter angeführt: »Wenn einer des Weges zieht, vertieft im Studium und er unterbricht es und spricht: ,Wie schön ist dieser Baum, wie schön ist dieser Acker*, von dem sagt die Schrift, er habe sein Seelenheil verwirkt«) Die Auswüchse der überwuchernden starren ethischen Anschauungsweise waren noch bis zur zweiten Hälfte des neun- 169