Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum jüdischen Kulturproblem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 168 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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wiegenden jüdischen Geistigkeit im landläufigen Sinne zuzugeben. Es handelt sich uns ja in Fragen jüdischer Umwertung und praktischer Ethik, wie nochmals betont werden soll, um bereits unzweifelhaft feststehende Tatsachen, die von einem bestimmten Gesichtspunkte aus als Gleichgewichtsstörungen der jüdischen Persönlichkeit aufgefaßt werden können. Und als eine solche Gleichgewichtsstörung ist die überwiegende Tendenz zur Geistigkeit, zur Abstraktion anzusehen. Nicht nur als Störung des Gleichgewichtes zwischen Körper und Geist überhaupt, sondern im eigenen Gebiet des Geistigen als das Mißverhältnis zwischen instinktiver und reflektierender Anschauungsweise, zwischen intuitiver und kombinatorischer Phantasie (Wundt). — Doch bevor noch von Ablehnung und bewußter Schwächung dieser jüdischen Geistigkeit gesprochen werden soll, muß vor allem einem eventuell auftauchenden Mißverständnis vorgebeugt werden, als ob die Anerkennung des Prinzips der Autonomie des Geistes, des selbstherrlichen gegenüber der blind waltenden Natur, der Macht des autonomen Geistes gegenüber dem Prinzip des nackten Materialismus, der als spezifisch jüdische Geistesrichtung die Juden seit jeher im ehrenvollsten Sinne als das Volk des Geistes bezeichnet, im Widerspruche stände mit der Frage der Ablehnung der jüdischen Geistigkeit als persönlichen Kulturdefekt jedes Einzelnen, als Hemmung auf dem Wege zu neuem, harmonischen jüdischen Menschentum. Auf den Ernst, welcher dieser Frage der Ablehnung exzessiver Geistigkeit zugrunde liegt, machte mich besonders eine Stelle in Wynnekens »Schule und Jugendkultur« aufmerksam, der die diesbezügliche Ansicht zwar nicht auf das Judentum münzt, die aber gerade dem Judentum gegenüber besonders anwendbar wäre, nämlich : »man könnte sich fürwahr eine Ethik vorstellen, die der gegenwärtigen konträr entgegenliefe; die ausginge von der erschütternden Erkenntnis, daß die Menschheit aufs schwerste vom Geiste bedroht in Gefahr stehe, ihr eigenes Leben völlig einzubüßen, indem ^ie Geist für Leben eintauscht; eine Ethik, die aufrufen würde zum Kampfe wider den Geist, nicht um ihn zu vernichten, sondern um ihn zurückzuzwingen in die Rolle des Dieners — und wir haben ja in Nietzsches Lehre den, wenn auch spielerischen Anfang einer solchen Ethik.« - — Alle weiten* Ausblicke, die sich aus der Tatsache der überwuchernden jüdischen Geistigkeit und ihres hemmenden Einflusses auf die Entwicklung 168