Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Zum jüdischen Kulturproblem
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 167 (sequence 7)
- Language
- German
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gerade darum einem national sich konsolidierenden Volke heilig sein müsse. Deshalb soll auch keineswegs die große Verantwortung, die ungemein heikle Aufgabe solcher Kultur- und Umbildungsversuche verschwiegen werden, umsomehr, als sie in ihrem relativen Charakter nur einen provisorischen Wert beanspruchen können. Der jüdische Intellektualismus Ob der allgemein verbreiteten Auffassung von der überwiegend intellektualistischen Anschauungsweise der Juden, die immer wieder in der Form einer Anklage erhoben wird und die Sombart in seinem Buche »Die Juden und das Wirtschaftsleben« mit scheinbarer Wissenschaftlichkeit als spezifische Rasseneigenschaft, also als dem Judentum immanent zu beweisen versucht hat, zumindest als für das nachbiblische Judentum charakteristisch, zuzustimmen wäre oder nicht, bleibt zwar dahin gestellt, doch kann auch den so wertvollen Versuchen Zollschans gerade in seiner diesbezüglichen Gegenargumentation nicht durchwegs blind beigepflichtet werden. Vielmehr muß in diesem Meinungsstreit zwischen Sombart und Zollschan die Ansicht beider auf das richtige Maß zurückgeführt werden. Ist Sombart in seiner Auffassung der spezifisch jüdischen Erwerbs- und Handelsidee, der jüdischen Zweckbedachtheit, Zielstrebigkeit und des weiterhin gefolgerten jüdischen Rationalismus und Intellektualismus, abgesehen durch das reiche Gegenmaterial Zollschan, schon allein durch die Theorie der nicht spezifischen Begabungsqualität entwaffnet worden, so scheint anderseits Zollschan mit dem Versuch aus dem Vorwurf des jüdischen Rationalismus eine Tugend zu machen, zu weit gegangen zu sein. Dort, wo Zollschan von der Erklärung des Rationalismus, von der >Löschung der Instinkte« als bewußten Geistesprozeß im Judentum spricht, horcht man unbefriedigt auf. — Ebenso Hegt im Versuche Bubers, in den mystischen Strömungen des nachbiblischen Judentums unterirdische, instinktive, dem Rationalismus entgegengesetzte Kräfte zu erweisen, keine zwingende Widerlegung der doch siegreich gebliebenen rationalistischen Anschauungsweise des Diasporajudentums. — Es sind daher aus allen Theorien und Gegentheorien in dieser Frage für die praktische Orientierung bei neuen Bildungsversuchen keine objektiv giltigen verläßlichen Schlüsse zu ziehen, Häher eher angebracht, den allgemein anerkannten, von keiner Seite bestrittenen Tatbestand der über- 167