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Esra · 1919-01-01 · Heft 6 · p. 165

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 6
Article
Zum jüdischen Kulturproblem
Date
1919-01-01
Page
165 (sequence 5)
Language
German
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Charakterbildung. Nur in der Erkenntnis der Unmöglichkeit derzeitiger organisch jüdischer Seins- und Bildungsformen sollte den allzu leichtgläubigen Hoffnungen auf neue jüdische Inhalte, auf wahrhaft jüdische Bildungsmöglichkeiten nicht unwidersprochen bleiben. Die Frage, ob die Pflege der noch bestehenden unbestritten jüdischen Seinsformen dieser eklektischen Bildung übergeordnet sei, war ja vom nationalen Gesichtspunkte aus nicht erst zu diskutieren. Ebenso selbstverständlich ist es, daß das größere Gebiet der in der neuen jüdischen Renaissance immer umfangreicheren Bewußtseinsinhalte mit der Möglichkeit einer tieferen Verankerung ans Judentum im Brennpunkt der Bildungs¬ und Erziehungsprobleme steht, schon auf Grund der lieberzeugung, daß bei engerer Verknüpfung mit Volkstradition, Geschichte, Religion und vor allem der Sprache seines Volkes, also daß auch durch ein tieferes Wissen um das Judentum und dichteres Heranrücken an seine Quellen, doch irgendwie der Tenor, die Essenz ewiger jüdischer Inhalte erhalten und verdichtet wird. Die Auseinandersetzung über die Frage einer provisorischen eklektischen Uebergangskultur hatte hauptsächlich den Zweck, auf rein praktische Bildungsfragen auf das Gebiet der konkreten jüdischen Umwertung überzuleiten, wobei es sich um bestimmte Eigenschaften handelt, die als Störungen des Gleichgewichtes der jüdischen Persönlichkeit, als kulturelle Mißbildungelf mit aller Macht zu einer Umwertung drängen, und um die Mittel und Möglichkeiten einer günstigen, der Ehre des Judentums förderlichen Beeinflussung solcher Kulturdefekte. Denn wohl hat Martin Buber das unbestrittene Verdienst, als erster im Rahmen der nationalen Bewegung aufgerufen zu haben, zu einer Zeit, wo sich das neue Judentum mit der nationalen Tendenz zu begnügen schien, in dem es nicht zum Bewußtsein kam, wie wenig sich die jüdische Gesellschaft, die die Trägerin des nationalen und zionistischen Gedankens wurde, von der jüdischen Gesellschaft des offiziellen Judentums unterschied, die als morscher Zerfallsherd im Organismus des Judentums ihre unheilvolle Wirkung weiter ausübt, wie wenig sie sich von dieser Gesellschaft innerlich unterschied, gegen die sie durch eine wunderbare, hohe geschichtliche Sendung den Kampf aufzunehmen berufen war. Als erster hat hier Buber zu innerer Umkehr aufgerufen, mit eindringlicher Stimme, in ihrem heiligen Eifer und Zorn verwandt der der Propheten. Aber gegen eine Durchschnittsgesellschaft waren solche Worte, wie sie nur von 165

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