Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Zionisten und die hebräische Sprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 145 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Im Selbstunterricht lerne man entweder aus einem Buch für Selbstunterricht, oder nach grammatischer Methode. In letzterem Falle greife man zu einer hebräischen Grammatik in deutscher Sprache (die von Beer im Goschen-Verlag, oder die von August Müller, oder gar Gesenius-Kautsch), schaffe sich ein Wörterbuch an (Grasewski-Klausner, Verlag Turschipa), beginne mit Bibel und neuer Lektüre und lese sich herzhaft hinein. Doch dazu gehört eiserner Fleiß! Das alles galt dem Unterricht der Erwachsenen. Die hebräische Zukunft beruht aber auf dem Kinderunterricht Die Zionisten müssen die hebräische Schule schaffen, sonst hat das Hebräische im Westen keine Zukunft Sie sollen für die Reform der liberalen Schulen und Religionsschulen der jüdischen Gemeinden kämpfen und um die hebräische Unterrichtssprache in orthodoxen Religionsschulen bemüht sein. Soweit können sie durch bestehende Institutionen für die hebräische Sache wirken. Man kann aber nicht warten bis der Gemeindekampf ausgekämpft ist Die Zionisten sollen daher daran denken, Schulen zu gründen. Das sollen allgemeine Schulen mit einem reichen jüdischen Programm sein, womöglich höhere Schulen, wo alle jüdischen Fächer in hebräischer Unterrichtssprache gegeben werden. Um das zu ermöglichen, ist bloß ein kurzer Sprechunterricht in der Anfangsklasse nötig oder ein hebräischer Kindergarten, der der Schule vorgebaut ist. An einer solchen Schule soll jüdisches Wissen vermittelt werden, wie es jeder gebildete Jude haben muß. Lehrgegenstände sind: Gebete, Bibel, Raschi, Mischna, Religionslehre, Talmud, hebräische Grammatik, hebräische Sprache an der Hand von Lektüre mit Aufsatzunterricht und jüdische Geschichte. Man mag es zuviel finden; es ist aber nur ein Minimum. Ohne diese Schulbildung als Grundlage kann man ein gebildeter Europäer sein, aber kein gebildeter Jude. Das Pensum hängt selbstverständlich von der Zahl der Schuljahre ab. Die Zahl der hebräischen Wochenstunden muß beträchtlich sein, etwa sechzehn/ Das System der utraquistischen Schule, in welcher jüdische Fächer hebräisch gelehrt werden, hat sich in Polen sehr gut bewährt Dieses Programm gilt für orthodoxe Konservative und liberale Juden in gleicher Weise. Auch die Letzteren müssen eine nationale Bildung wollen. Die religiöse Richtung der Schule hängt aber nicht von diesem Programm ab, sondern von dem Geist der Schule, von den Lehrpersonen. Die 145