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Esra · 1919-01-01 · Heft 5 · p. 136

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 5
Article
Das Weitertreiben des Nationalismus
Date
1919-01-01
Page
136 (sequence 8)
Language
German
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nützen und wert sein, wenn man sie plötzlich in eine Wüstenei versetzen würde. Erhält sie ihren Wert nicht erst dadurch, daß sie sich an einem Brennpunkt der Wirtschaftskräfte der gesamten Nation befindet, wird ihr Wert nicht durch jede noch so schwache Auswirkung dieser Kräfte vermehrt? Der Privatbesitz an Produktionsmitteln und die Trennung der überwiegenden Mehrheit des Volkes von ihnen hat zur Folge, wie es nun wohl schon bald jeder weiß, weshalb wir dies hier alles nur kurz andeuten, daß der in das Leben hinausstrebende Arbeiter keine Möglichkeit hat, seinen einzigen Besitz, seine Arbeitskraft, zu verwerten und gezwungen ist, diese an den Kapitalisten zu verkaufen. Daher kommt die Unsicherheit (da* er doch diesen seinen kärglichen Lohn immer zu verlieren befürchten muß) und die Armut seines Lebens; die Armseligkeit seiner Nahrung; seiner Kleidung, seiner Wohnung, kurz seiner ganzen Lebenshaltung. Aus dieser furchtbaren Notlage fast des ganzen Volkes rühren all die kulturellen Mißstände her, die der wahre Fluch des Kapitalismus sind. Wenn wir uns darauf beschränken, das Bürgertum zu betrachten (und uns liegt dies besonders nahe, da Juden in Westeuropa fast ausschließ ich in dieser Schicht zu finden sind) so bemerken wir freilich überall die ersten Ansätze zu einer neuen Kulturentwickjung* Die ganze Schicht der bürgerlichen Intellektuellen ist durch die Zeitereignisse aufgewirbelt worden. Sie haben die Tische ihrer Kaffeehäuser verlassen und scheinen sich wirklich unter den verschiedenartigsten Symbolen zu sammeln, um nun auch zu handeln. Wenn wir aber unsere Blicke weiter schweifen lassen, dann sehen wir, daß die kulturellen Entwicklungsmöglichkeiten einer kleinen Schicht mit dem kulturellen Tiefstand und den seelischen Nöten der überwiegenden Majorität der Völker bezahlt werden müssen. Wenn nicht die gesamte Kultur, die die Menschheit bisher errang, eines'Tages hinweggefegt werden soll von den unterirdischen Gewalten, die sich heutet schon grollend ankündigen, so ist es Zeit, diese furchtbaren Zustände zu ändern. Denn unsagbar traurig und unbeschreiblich häßlich sind die Verhältnisse, unter denen alle die Ausgebeuteten und Unterdrückten, alle dier Kinder des Elends, die Stiefkinder des Glücks, unter denen die große Menge der Menschheit zu leben gezwungen ist »Sie wissen nicht, was Pathos> Freude, was Ernst und Innigkeit, was Erschauern und was Tragik ist; sie erleben sich nicht; sie können nicht lächeln und können nicht Kind sein; sie ertragen 136

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