Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Weitertreiben des Nationalismus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 131 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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"kulturscböpferischer Tat, so kann auch nur diese Gemeinschaft Kulturwerte zeugen und gerade die am stärksten mit nationalem Geist getränkten Werke, wie die »Göttliche Komödie«, der »Faust« und last not least die Bibel, gerade sie bilden die ■schönsten Blüten am Baume der menschlichen Kultur. Und sind nicht wir Juden das schönste Beispiel? Einst, als Land und Volk verbunden waren, als eine kulturelle Einheit vorhanden war, da "brachte das Land im Überfluß hervor, was der Mensch zu seinem Existenzminimum braucht, das Volk aber fand jene ethischen Lehren, die noch heute als Grundlage dreier großer Systeme für den größten Teil der Kulturmenschheit verbindlich sind und m ihm wuchs der Geist des Propheten, der das Wunderbarste mit ist, was je der Menschheit erstand. Als aber die nationale Gemeinschaft zerrissen wurde, ward das Land bald zu einer Wüstenei und die kulturelle Kraft des Volkes versiegte im Laufe der Zeit immer mehr. Wenn wir auch wissen, daß gerade die Gipfelpunkte der Kultur, Religion, Kunst und Wissenschaft, Gemeingut der gesamten Menschheit sind oder sein können, erzeugt werden -können sie nur durch eine nationale Gemeinschaft Und wir Juden im Besonderen können die trostlose Unproduktivität, die heute in jeder Beziehung das Kennzeichen für das jüdische Land und das jüdische Volk ist, erst wieder überwinden in Zion. Und dies sind in Kürze die Gründe, die wir dem Prinzip des Kosmopolitismus entgegenstellen. t Aus allen diesen Gründen lehnen wir die kosmopolitische .Anschauung ab, und es geht wohl aus ihnen hervor, daß (nach unseren Definitionen) Kosmopolitismus und Nationalismus sich -so widersprechen, daß eine Verbindung beider unmöglich wäre. Doch gibt es neben dem zersetzenden Prinzip des Kosmopolitis- .mus ein zweites, aufbauendes und umfassendes von gleicher Bedeutung und Weise: den Internationalismus. Wenn auch jeder INationalist, welcher völkischen Modifikation auch immer, eine Diskussion über die Frage nach der Existenzberechtigung seines Volkes ablehnen und diese Existenzberechtigung, von allem .anderen absehend, aus dem Faktum herleiten wird, daß dieses Volk ist, wenn also ,auch wir jüdische Nationalisten es, abilehnen, über den Wert oder Unwert des jüdischen Volkes zu debattieren, — sobald wir die Frage von jeglichem Einzelfall .abgelöst in ihrer Allgemeinheit betrachten, bekommt sie eine andere Bedeutung. Wir erkennen die gemeinsamen Aufgaben, die die •9* 131