Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Das Weitertreiben des Nationalismus
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 130 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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sind uns bewußt, daß unsere Veranlagung herausgewachsen ist aus den Anlagen, die der jüdische Stamm von Uranfang her in sich trägt, bedingt und allein erklärbar durch die Veränderungen ist, die diese Anlagen im Verlaufe der Volkswerdung und der vieltausendjährigen Geschichte wandelten. Wir sind uns bewußt, daß .unsere Persönlichkeit die Resultante aus dem Leben und Streben all der Ahnen-Generationen vor uns ist, bedingt durch jener Wollen und Fühlen, Handeln und Leiden. Fragen wir uns, nun danach, was dem Dasein des einzelnen Menschen einen Wert verleiht, so müssen wir, wenn wir diese Frage zunächst objektiv beantworten, wollen, feststellen, daß allein die kulturschöpferische Tat dem menschlichen Individuum die Berechtigung der Existenz vermitteln kann. Nur die Tat, die herauswächst aus dem freien, auf das Gute gerichteten Willen, die das Seiende ändert in das Seinwollende, läßt den Einzelnen die Nichtigkeit seines Daseins überwinden. Diese Tat aber kann er nur leisten in der ihm wesensgleichen Gemeinschaft, in der er die Ergänzung seiner schwachen Kräfte findet und die Kräfte anderer, von Geburt und Wesen gleichenden und Gleiches wollende Individuen ergänzt, aus deren, durch gemeinsame Kultur und gemeinsamen Rhythmus bestimmten, gemeinsamen Kampf das für den Einzelnen unerreichbare Ziel'des menschlichen Ringens ersteht. Fassen wir diese Frage nach dem ExTstenzwert des Einzelnen aber subjektiv, so hat jeder Mensch die Möglichkeit, indem er die ererbten Anlagen, verändert durch die Geschichte seines Lebens, weitervererbt, über die Schranken seiner individuellen Existenz hinaus Einfluß zu nehmen auf die Zukunft seines Volkes und damit der Menschheit Dies sind die Fäden, die uns mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft unserer Nation verknüpfen. Zu diesen mehr persönlichen Gründen kommen nun die sachlichen Gründe4 hinzu. Betrachten wir die Kultur der gesamten Menschheit, so sehen wir, daß sie auf der Differenziertheit der Nationen beruht. Gleichwie an einem Baume nie zwei Blüten einander gleichen, jede ein Besonderes aufweist, und sie doch in ihrer Gesamtheit das wunderbare Bild bieten, das uns erfreut, so entwickelt sich auch die Kultur, indem jede Nation, unter Ausbildung ihrer eigenartigen und nur einmal vorhandenen Anlagen, ihre eigene Note in das allgemeine Ringen um das Wenden der Zukunft hereinträgt. So wie der Einzelne nur in der national-kulturell geschlossenen Gemeinschaft befähigt wird zu 130