Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Geschichte der Juden Rumäniens
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 81 (sequence 4)
- Language
- German
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gewöhnlich die Professoren auf, die durchwegs Christen sind, da ein Jude eine Lehrkanzel nicht bekommen kann. Viele junge Juden ziehen es daher vor irn Auslande, wenn auch unter den größten Entbehrungen, zu studieren. Die Regierung bestimmte, daß man in diesem Falle nicht das Recht habe, im Lande Praxis auszuüben. über die Lage all der Kleinkrämer, Handwerker und Mäkler ist nicht viel zu sagen5 es geht ihnen wie ihren jüdischen Berufs* genossen in Osten: sie leben von heute auf morgen und wenn sie am Verhungern sind, dann greifen sie zum Wanderstabe. Die akademische Jugend wird von ihren Lehrern zu anti* semitischen Agitatoren erzogen. Mit verdrehten Belegen aus Bibel und Talmud suchen sie ihre Lehren zu begründen, indem sie die Juden für alle Geschehnisse der Gegenwart verantwortlich machen. So werden die künftigen Beamten und Gesetzgeber systematisch vergiftet. Die geistigen Produkte der Juden werden boykottiert. Kleine Studentenhäuflein nehmen es sich heraus, jüdische Künstler an ihrem Auftreten zu verhindern. Nicht selten werden Theater* stücke vom Repertoire der Nationalbühne abgesetzt, weil ihr Ver* fasser ein Jude ist. So geschah es mit einem Stücke von Ronetto Roman, dem größten rumänischen Dramatiker, einer Perle dramatischer Kunst und Stilistik. Grundlos werden oft Juden vor Gericht geschleppt, damit öffentlich antisemitische Propaganda gemacht werden kann. Ein jüdischer Reservist, Mitarbeiter einer der angesehensten rumänischen Zeitungen, veröffentlichte seine Kriegseindrücke. Er wurde vor ein Militärgericht gestellt Der Regierungskomissär schreibt im Untersuchungsprotokoll folgende Bemerkungen: „Nur den Rasseneigenschaften, eigen der Nation, der der Beschuldigte entstammt, ist seine Schuld zuzuschreiben. Der Rumäne vergißt und verzeiht, während Mendel Grünberg haßt ohne verzeihen zu können und Gelegenheit sucht, sich zu rächen". Der Jude ist wohl militärpflichtig, hat drei Jahre aktiv zu dienen, kann aber keine Charge erlangen. Die Einjährig-Freiwilligen können die Offiziersprüfung machen,- dürfen aber nach bestandener Prüfung keine Offiziersabzeichen tragen. Am rumänisch^ bulgarischen Feldzug nahmen mehr als zwanzigtausend Juden teil. Brüdern gleich wurden sie behandelt solange die Unge* wißheit eines Zusammentreffens mit dem Feinde schwebte, kaum aber erfuhr man, daß es zu keinem ernsten Kriege kommen 81