Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 3
- Article
- Wichtige Aufgaben
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 66 (sequence 2)
- Language
- German
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genug aufgestellt und es ist auch hier nicht nötig, feste Programm* punkte diesbezüglich zu nennen. Es handelt sich aber darum, daß man einsieht, daß die Forderungen keine Ideale sein dürfen, sondern daß es Pflicht ist, an ihre Verwirklidumg heranzutreten. Ein Zweites ist die Forderung unseres näheren Verhältnisses zu allem, was mit dem Judentum historisch verbunden ist, d. h. mit der hebräischen Sprache, mit seiner alten Kultur in (der Vergangenheit, mit der jüdischen Geschichte, mit allem, was das jüdische Volk in der Gegenwart betrifft, mit seiner Zukunfts* hoffnung, mit seinem Lande. Daraus ergeben sich gewisse Wissenschaftszweige. Alle diese Zweige sollen bebaut werden, für alle diese sollen die jüdischen Studenten Interesse haben. Nun kann ich selbstverständlich nicht die utopisdie Forderung aufstellen, daß sidi Jeder zum ernsten Fachmann in allen diesen Fächern ausbildet. Aber das Eine ist möglich, daß man für alle Probleme, die irgend etwas Jüdisches betreffen, das Interesse stets wachhält und daß man dort, wo ein eigenes wirkliches Streben vor* liegt, dieses auch unterstützt. Derjenige, der beispielsweise sprach* wissenschaftliche Neigungen hat, sei darauf hingewiesen, daß er ebensoviel Interessantes wie aut dem Gebiete der klassischen Philologie auch auf dem Gebiete der hebräischen Philologie finden kann. Wer sich speziell für Geographie interessiert, muß auch der Geographie Palästinas sein Augenmerk zuwenden und darauf sehen, daß er nicht in der Geographie seines eigenen Landes ein Ignorant und ein Laie sei. Dasselbe gilt besonders auch von der jüdischen Religion. Uns einigt der jüdische Nationalismus, das Bewußtsein, daß wir zur jüdischen Nation gehören, ganz unabhängig von unsrer religiösen Schattierung. Aber auch die jüdische Religion ist natürlich ein Gut des jüdischen Volkes, ist etwas, das, wie immer man sich dazu stellen mag, von Allen gekannt werden muß. Wenn also' beispielsweise- Kurse über alle Gebiete des jüdischen Wissens veranstaltet würden, so dürfte ein Kurs nicht fehlen, der auch die jüdische Religion in einem tiefen Maße, in einem lebendigen, praktischen Maße zugänglich macht. Es darf nicht sein, daß jüdische Studenten deshalb die Seele ihres jüdischen Bruders nicht verstehen, weil sie sein Leben, das durch und durch von der Religion durchsetzt ist, einfach nicht begreifen können. 66