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Esra · 1919-01-01 · Heft 3 · p. 67

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 3
Article
Wichtige Aufgaben
Date
1919-01-01
Page
67 (sequence 3)
Language
German
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Ich deutete schon an, daß für dieses Erwerben von Kenntnissen am besten durch Kurse gesorgt werden wird. Auch hier bin ich natürlich von jedem Optimismus entfernt. Ich weiß, daß es, so oft Kurse ins Leben gerufen worden sind, nicht an Lehrern gefehlt hat, daß sogar mehr Lehrer da waren als vielleicht berufen und notwendig waren, daß es aber immer an den Schülern gefehlt hat, weil der jüdische Student die Neigung hat, sich selbst bereits für einen Lehrer zu halten und weil er sehr gerne dem Andern durch seine Kenntnisse imponieren will, weil sehr gerne Schiagworte nachgesprochen werden, mit denen geprunkt wird, weil es aber oft und oft — das muß man offen sagen — an dem ernsten Streben fehlt, durch opfervolle Arbeit wirklidi ein ernstes Wissen zu erwerben. Deshalb bin ich auch im Augenblicke dagegen, daß die Forderung nach einer jüdischen Lehrkanzel an der wiener Universität erneuert werde, eine Forderung, die sonst natürlich durchaus berechtigt wäre. Ich bin aber überzeugt, daß, wenn diese Forderung erfüllt würde, sie im gegenwärtigen Stadium eine Schande für die jüdische Studentenschaft bilden würde, denn ich weiß aus eigener Erfahrung und weiß es aus den Erfahrungen von Kollegen anderer Universitäten, daß die jüdischen Studenten ein wirkliches Interesse für die jüdischen Wissenschaften gerade nicht aufbringen. Ich weiß aus meiner persönlichen Erfahrung, daß meine Vorlesungen, die ich über BibeL oder hebräische Grammatik, über hebräische Kultur usw. gehalten habe, fast ausschließlich von Christen besucht waren, daß die Juden die Vorlesungen meistens inskribiert haben, ohne sie zu besuchen. Es hängt das zum Teile damit zusamrpen, daß die jüdischen Studenten mit Recht oder Unrecht glaubten, daß sie bereits alles wissen, was in den Vorlesungen gelehrt wird. Es ist das zwar durchaus nicht immer der Fall gewesen, doch glaube ich, daß diese Kurse wahrscheinlich auch daran scheitern werden, daß sie an diesem Fehler leiden könnten, — es kann ja sein, daß diesmal bessere Erfahrungen gemacht werden — daß die Studentenschaft der Meinung sein wird, sie wisse schon genug, trotzdem sich immer und immer wieder die neue Forderung nach neuen Kursen erhebt. Dies nach der einen Seite* Die andere Frage ist dann, wie das wissenschaftliche Streben, wie die Kenntnisse der Studentenschaft ausgenützt werden. In dieser Hinsidit wäre zu erwähnen, daß die Studenten die Lehrer 67

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