Mannheim
Compact Memory

Esra · 1919-01-01 · Heft 2 · p. 54

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 2
Article
Jeschualegenden
Date
1919-01-01
Page
54 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2828641-2828642-2828644-2828751--096-2828789
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

„Es war ein Maulwurf, der suchte in der Erde, wo er ans Licht dringen könnte* Denn er hatte das Licht noch niemals gesehen und hatte davon nur dumpfes Ahnen. Aber er meinte, wenn er nur an das Licht kommen werde, dann werde er auch die Erlösung finden* Und in ihm drängte die Sehnsucht nach Erlösung und das Suchen nach dem Maschiach. Und eines Tages kam Eifer über ihn, daß er alle Scheu überwand und sich empor^ arbeitete-mit kräftigen Krallen. Mit jeder Erdkrume, die er über sich löste, erhöhte sich seine Erwartung und Gewißheit Da stieß er an das Licht und seine Augen versagten vor blendender Helle. Nun dachte fer, ist die Erlösung da und Maschiach muß nun kommen* Er saß auch nur wenige Augenblicke an der Sonne, ohne zu sehen, was um ihn war, da fühlte er sich am Fell erfaßt und in die Höhe gehoben. „Nun tue nicht mehr ich, nun tut Maschiach mit mir", dachte er und war aus all seinem Wesen getreten in großer Ver* zückung. Und es hob ihn viele Erdschollen hoch in schnellem Steigen, bis er auf einen warmen, glatten Boden gelegt wurde. Und'ein anderes Warmes und Glattes überdeckte ihn. Und es wurde dunkel um ihn, daß ihn nicht Grelle blendete. Da sah er es um sich wie Hände, aber anders gebaut, schöner, weicher und viel vieles größer als die kralligen Hände, die er bis dahin gesehen. Doch seine Hingabe und Freude der Erfüllung ward ihm getrübt von namenloser Angst, daß er wünschte, er wäre sicher unter der Erde. Doch die Hände hielten ihn fest umschlossen, daß er nicht versuchen konnte, ob er wieder entkommen möchte. Doch er schalt seine Seele und sprach zu ihr: „Seele, wre magst du nicht jauchzen und gar Furcht hegen, bist <3u doch in des Maschiach Händen und die Erlösung ist nahe!* Und seine Seele wandte sich von Furcht und Zweifel und wieder der Erlösungsfreude zu. Und er ward ruhig und voller Hoffnung. Nach kurzer Zeit wurde er in einen Raum gesetzt, aus dem er nicht herausgelangen konnte, der aber von einiger Größe war. Es waren Frauenhände gewesen, die ihn in den Käfig setzten und es tat dieselbige Frau sorglich Erde unter ihn, daß er graben könne. In dem Räume war es nicht zu hell, daß er nicht geblendet ward und er sah dieselbige Frau und 54

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.