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Esra · 1919-01-01 · Heft 2 · p. 45

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 2
Article
Bolschewismus, Judentum und die Zukunft
Date
1919-01-01
Page
45 (sequence 5)
Language
German
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was hilft aller Ökonomische Sozialismus, wenn die Gesinnung des Menschen nicht sozialistisch ist? Er wird nun erkennen, daß sein Weg ein falscher war, und wenn sein Herz geweitet blieb, für die ganze Menschheit, wird er zum Erkennen kommen, daß nicht allein Europa Menschheit bedeutet, daß es jenseits dieses mechanisierten Europas Menschheit gibt, die dem Idealzustand näher und ihn zu erlangen befähigter ist. Er wird voraussehen, daß der Geist auch des bolschewistischen Europas schließlich verflachen wird, wenn die Jugendlichkeit der Idee in den Alltag der Organisation hineingeglitten ist (wie es mit dem Geiste aller europäischen Bewegungen geschah, denn sie alle waren irgendwie ökonomisch gerichtet,) er wird erkennen, daß neue Klassen aus der Tiefe heraufwachsen werden, die die ökonomische Diktatur in gleichem Maße handhaben werden, wie die früheren Herren« klassen, daß eine europäische Revolution stets in ihren Folgen nur eine Eintagsrevolution ist, selbst wenn ein monatelanges Blutband ihren Weg bezeichnet, daß sie ausschließlich Magen* frage ist, wohl eine Station in der Tragödie der europäischen Menschheit, dennoch aber nur blutige Groteske einer wirklichen Revolution, denn ihr Urgrund ist nicht Revolutionierung der Herzen, sondern die Revolte der Magennerven, und ihr Ziel nicht die Menschheit, sondern die Bequemlichkeit. Der Jude, der dies erkennt, soll er in die Wüste gehen und den Schakalen predigen? Oder soll er, an den Möglichkeiten der Menschheit verzweifelnd, verzweifelnd an den Möglich* keiten des Sozialismus, sich nur darum wieder Jude fühlen, um die Mission des Leidens, das unser Volk bisnun unter den Völkern trug, resigniert wieder auf sich zu nehmen? Ich glaube anders: vom Bolschewismus trennt uns eben* soviel wie von jenem Judentum, das sich europäisch fühlt und europäische Maße sich zu eigen machte. Der Jude, der die Diskrepanz zwischen Bolschewismus und Judentum erkennt, wird auch den Zwiespalt zwischen Judentum und Kapitalismus, Europäismus, Merkantilismus erkennen und wird die reinsten Formen des Lebens auf der Bahn seines Volkes suchen. Er wird entweder als Mystiker sich den göttlichen Kern zusprechen und die Möglichkeit der, Vereinigung mit Gott, um so die Menschheit zu erlösen. Er wird Religion und Dogma übersteigend, in die klarsten Höhen der Religiosität gelangen und so wirken auf die fernste endliche Zukunft seines um die 45

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