Mannheim
Compact Memory

Esra · 1919-01-01 · Heft 2 · p. 46

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 2
Article
Bolschewismus, Judentum und die Zukunft
Date
1919-01-01
Page
46 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2828641-2828642-2828644-2828748--084-2828781
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zukunft der Menschheit besorgten Volkes. Oder aber er wird Formen für diese Tage suchen, die den Möglichkeiten des Juden* tums, völkerverbindend sein zu können, freie Bahn schaffen und er wird in der gegebenen Realität verbleibend, zu retten suchen, was an der Menschlichkeit in dieser Menschheit für diese Tage noch zu retten ist. Man müßte hier über die ungeheuer fruchtbaren ethischen Werte des Judentums sprechen, wollte man die Bahn wieder aufzeigen, in der die Notwendigkeit liegt, sich zu bewegen. Es ist sicher, daß am Ende dieser Bahn jener Sozialismus steht, der den Klassenbegriff 'nicht kennt, zu dem nicht leibliche Not ausschließlich führt, sondern der Wille zur sozialistischen Gesin* nung der Menschheit, die aus sozialistisch gesinnten Völkern besteht Auf dieser Bahn aber liegt kein Bolschewismus, keine Sozialdemokratie, keine ökonomische oder politische Partei und keine Gewalt, denn diese Bahn mündet in Asien, in jenem Asien, das Religionen stiftet und Gemeinschaften, wo Europa höchstens Staaten bauen kann und Klassenzwänge, in jenem Asien, das sozialistisch ist vom Anfang seiner Idee bis zu ihrer Diktatur der Liebe über die Menschheit. Judentum und Bolschewismus haben nichts gemein. Wenn beider Ziel auch das höchste der Menschheit ist, können sie nicht zueinander kommen, denn der Absolutheit des Einen entspricht nur Zweckmäßigkeit, Bedingtheit des Andern, der Sehnsucht nach der wirklichen Menschheit nur der Wunsch die Produktion auf das Höchste zu steigern und die Konsumtion so angenehm als möglich zu machen. Wenn daher in unsern Scharen von Gemeinschaftsformen gesprochen wird, möge endlich die Frage auftauchen: was ist es mit der individuellen Gruppe, die nicht eine Gesellschaft von Heiligen, aber eine solche von sozialistisch gesinnten Menschen, sich selbst beherrscht, mit Andern, mit dem nächsten Dorf Verträge schließt, was ist es mit dem Volk, das aus individuellen Gemeinschaften bestehend, kein Anderes beherrscht, und sich nicht beherrschen laßt, auch nicht durch die Materie? Diese Frage wird einmal aufgeworfen werden, die Frage nach der reinsten Form des Nebeneinanderlebens, nach der anarchischen Form, Sie wird beantwortet werden, wenn entweder Europa vollends zertrümmert sein wird, oder aber, wenn es sozialistisch, also menschlich denken, fühlen und handeln 46

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.