Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ansprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 37 (sequence 5)
- Language
- German
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- IRI
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Vor dieser Geschäftigkeit möchte ich Sie warnen* Beschränken Sie das, was in dieser Richtung notwendig ist auf ein Minimum und schaffen Sie sich Zeit und Ruhe für die eigentliche jüdische Arbeit. Vergessen wir nicht, daß diese Vielgeschäftigkeit, die meine Generation an den Tag gelegt hat, doch nur ein Sichablenken von Wesentlichem war! Irgendwie haben wir in uns Allen die Stimme gehört: „Es ist nicht das Rechte, was Du tust, Du mußt doch das Wahre machen, was Du den Andern sagst/'* Aber wir übertönten diese Stimme, indem wir fortwährend beschäftigt waren, von einer Sitzung in die andere gingen: da kam uns die Leere unseres Judentums, die Ausdrucklosigkeit unseres Judentums nicht so zum Bewußtsein. Wenn wir uns aber die entsetzliche geistige Leere, welche das Wort vom jüdischen Nationalismus vor uns selbst verbirgt, bewußt machen werden, dann wird das, was wir bisher programmatisch im Munde geführt haben, von selbst zur Tat werden: Wir werden dann wahrhaft streben, Juden zu werden, wir werden nicht anders können, als den inneren Anschluß suchen an die große jüdische Kultur der Gegen* wart und an die große jüdische Kultur der Vergangenheit, wir werden die Hände der.Väter, die sich aus der Vergangenheit in unsere Gegenwart hinein uns entgegenstrecken, ergreifen und werden wirklich den Weg finden zu dem, was uns die früheren Generationen hinterlassen haben. _ t Es gibt ein Wort von Oberrabbiner Chajes, daß der Jude mit der Bibel zusammen lebt. Vergegenwärtigen Sie sich, meine Freunde, ob das auch von uns gilt, den Trägern des jüdisch» nationalen Gedankens. Lebt unsere Generation wirklich in dieser innigen Gemeinschaft mit der Bibel, ist uns wirklich jeder Bibelvers so gegenwärtig, wie er früheren Generationen war und heute noch der Masse des jüdischen Volkes ist? Ich will auf diese Frage nicht antworten. Antworte Jeder für sich selbst. Wir haben in den letzten Jahren oft eine Polemik mit den Jiddischisten geführt. Die extremen Jjddischisten wehrten sich gegen die Einführung des Hebräischen in den jüdischen Schulen. Sie sagten, die Sprache und die Kultur des jüdischen Volkes seien jüdisch. Sie betrachten alles das, was hinter ihnen liegt, als eine Vergangenheit, die gewissermaßen nicht organisch mehr in die jüdische Kultur hinein gehört. Diesen Jiddischisten haben wir immer geantwortet: Es geht nicht an, daß ein Volk, dessen Geschichte zwei und drei Jahrtausende umfaßt, heute von neuem 37