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Esra · 1919-01-01 · Heft 2 · p. 36

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 2
Article
Ansprache
Date
1919-01-01
Page
36 (sequence 4)
Language
German
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Sie das alte Programm, das die vorige studentische Generation nicht verwirklichen konnte, nunmehr verwirklichen. Diese fünf oder sechs Jahre, die man der eigenen Ausbildung lebt, sollen Ihnen dies ermöglichen, auf daß Sie später, wenn Sie aus der Hochschule hinausgehen mit dem lebendigen Beispiel für die jüdische Bewegung werben können, nicht mit dem, was Sie sprechen, sondern mit dem, was Sie sind. Ich sage: die jüdische Studentenschaft darf nicht, wie es unsere Generation getan hat, in die Politik verstrickt werden. Die jüdischen Studenten dürfen nicht in diese Geschäftigkeit, in dieses Getriebe hineingerissen werden, welches die Organisation, die Politik, das Vereinsmeiertum notwendig mit sich bringen, Sie, die Studenten, sind zu anderem da: Sie haben die innere Stille Ihrer Seele zu finden, in der Sie wachsen können, in der das Judentum in Sie hineindringt und Sie in das Judentum hineindringen können. Sie müssen die Ruhe haben, unser großes unerschöpfliches Judentum aufnehmen zu können. Unsere Kultur ist so groß, daß wir sie nicht im Laufe eines Lebens, geschweige denn im Laufe von vier, fünf oder sechs Studentenjahren erfassen können. Eine Basis aber kann geschaffen,o der Anschluß kann wieder hergestellt werden, das Herz kann innerlich gewendet und es kann eine Grundlage gelegt werden, auf der das Judentum, dann weiter wächst Ist diese Grundlage einmal irgendwie im Judentume hergestellt, ist man nicht mehr erfüllt von dem leeren Nationalismus, — es scheint ein Wiederspruch, aber es ist so — der immer das Judentum im Munde führen muß, weil er es nicht im - Herzen hat, dann geht, wenn wir einmal in die bürgerliche Klasse hinüberkommen, dieses Wachstum organisch weiter fort Das Notwendigste ist, daß wir den Grund legen und dazu ist die studentische Zeit bestimmt Ich will nicht miß» verstanden werden. Wenn es sich darum handelt entscheidende Volksaufgaben zu lösen,dann sind die jüdischnationalen Studenten verpflichtet, alle anderen Dinge liegen zu lassen und sich der Bewegung voll und ganz zur Verfügung zu stellen. Aber das ist für den Augenblick der Not, das ist keine ständige Einrichtung, und die Aufgaben welche in dieser Weise an Sie herantreten, sind durchaus gering gegenüber dem Maß an Geschäftigkeit und Organisationsgetriebe, welches bisher vom jüdischen Studenten gezollt wurde. 36

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