Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ansprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 34 (sequence 2)
- Language
- German
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- IRI
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zu gelangen, mußte sofort auf die Tribüne der Öffentlichkeit, mußte schreiben und sprechen und mußte das Wenige, was er vom Judentum in sich aufgenommen hatte, sofort weitergeben. Es war dies eine Notwendigkeit der damaligen Zeit und ohne diese Aufgabe, welche die Studentenschaft bereitwillig auf sich nahm, wären wir nicht dorthin (gekommen, wo wir heute stehen. Dennoch dürfen wir uns nicht verheimlichen, daß diese Art, die Studenten in den Dienst einer Bewegung zu stellen, ein Raubbau am eigenen Volke war. Es blieb ihnen nicht Zeit, sich in das Wesen ihres Volkes zu vertiefen, nicht Zeit, an der eigenen Persönlichkeit wahrzumachen, was sie den Andern predigen mußten: es fehlte ihnen die Bewährung an der eigenen Persönlichkeit So mußte ein Geschlecht heranwachsen, welches den Entjudungsprozeß, der infolge der mächtigen Assimilations* Strömung unser ganzes Volk ergriffen hat und den es äußerlich mit Worten bekämpft hatte, an sich weiter zur Tat werden ließ. Wir waren Opfer der großen Aufgaben, welche die jüdisch* nationale Bewegung im Augenblicke ihres Beginnens an uns stellte* Dennoch können wir nur dankbar auf diese Generation blicken, die die erste Arbeit der jüdischen Studentenbewegung und zugleich die erste Arbeit der zionistischen Bewegung geleistet hat Trotzdem aber müssen wir uns die Tatsache Vor Augen halten: wir, die wir heute im Mannesalter stehen, sind ein ent* judetes Geschlecht und die jüdischnationale Studentenschaft darf, wenn der Prozeß nicht, weiter vor sich gehen soll, nicht dem Beispiel folgen, das wir gegeben haben. Der Entjudungsprozeß, von dem ich sprach, beginnt ungefähr in den Sechzigerjahren im großen Maße. Wir Zionisten, die wir die zweite Generation der entjudeten Juden sind, haben nicht die Kraft gehabt, uns ihm entgegenzustellen. Besinnen wir uns, wie ganz anders die politische Lage noch am Beginn des 19ten Jahrhunderts war, das uns^unserem Volke entrissen hat. Erinnern Sie sich, daß die große hebräische Erneuerungsbewegung, die sich an Mendelsohn, an die Measchim, an die erste hebräische Zeitschrift moderner Art angeschlossen hat, von westlichen Juden ausgegangen und getragen worden ist. Und später noch, in den Vierziger* und Fünfzigerjahren hatten wir hier im Westen noch immer ein Geschlecht das wirklich zu tiefst jüdisch war. Wir Zionisten mußten wohl auf jene Zeit der 34