Esra
- Journal
- Esra
- Volume
- 1 (1919-1920)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Ansprache
- Date
- 1919-01-01
- Page
- 33 (sequence 1)
- Language
- German
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HUGO BERGMANN ANSPRACHE Als ich mich fragte, welches denn eigentlich heute die Stellung des jüdischen Studenten innerhalb unserer Bewegung ist, bemerkte ich eine Tatsache, welche mir bis dahin entgangen war: daß nämlich infolge der Verschiebungen welche der Krieg und die politischen Ereignisse, die ihm folgten, hervorgerufen haben, die Stellung der Studentenschaft in unserer Bewegung eine ganz andere geworden ist. Wir haben im Laufe der letzten Jahre ein jüdisch=nationales Bürgertum bekommen. Die großen politischen Aufgaben, die an unserer Bewegung herangetreten sind, haben bereits ein Geschlecht von Menschen—nichtstudentische Elemente — gefunden, welches diese Aufgaben zu übernehmen gewillt war. Diese Wandlung ist für die Soziologie des Zionismus von größter Bedeutung. Auf einmal ist die Studentenschaft frei ge* worden von Aufgaben^ welche sie durch zwanzig und dreißig Jahre getragen hat, sie ist frei geworden für ihre eigentliche Aufgabe, die sie früher nicht in dem Maße erfüllen konnte. Heute bilden die Studenten eine eigene Gruppe mit eigenen Aufgaben innerhalb unserer Bewegung. Es wäre ja so leicht in diesem Augenblicke, da die jüdische Studentenschaft aufatmet, weil sie befreit wird von Aufgaben, die bisher auf ihr gelastet haben, verachtend und geringschätzend über die bisher geleistete Arbeit zu sprechen. Dennoch muffen ein paar Worte über die Rolle unserer Generation innerhalb der jüdisch-nationalen Bewegung gesprochen werden* Als Theodor Herzl die zionistische Organisation aus dem Nichts schuf, hatte er um sich nichts als Studenten. Alle Aufgaben, die sich darboten, mußten von Studenten geleistet werden. Der arme jüdischnationale Student, der eben erst seine Matura gemacht und kaum Zeit gehabt hatte, irgendwie in ein inneres Verhältnis zum Judentum 3 33