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Esra · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 14

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Journal
Esra
Volume
1 (1919-1920)
Issue
Heft 1
Article
Das Problem einer jüdischen Kunst
Date
1919-01-01
Page
Seite 14 (sequence 7)
Language
German
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Bewußtfein, mit feltener Energie und einem zähen Hmftreben zu der Macht ihres eigenen Blutes. Es war ein Bereithalten der Kräfte in ihnen oder das Erwachen zu fich felbft, die Kriftalifation fchlummernder Elemente, Während die Sehnfucht der Vielen wie eine Fatamorgana durch ihr ganzes Leben zog, ungeformt und unformbar, ftellten die Einzelnen ihre Sehnfucht in ihren Werken dar, fie ruhten aus, indem fie ihre Werke als Bruchftücke ihrer großen Konfeffion aus fich herausfchleuderten. Das war ihre Aktion. Sie befreiten fich, fie wurden frei und nur der freie Jude kann ein freier Künftler fein. Die Freiheit ift das Klima des Geiftesmenfchen. Aber die Freiheit macht einfam und je weiter fich der Freiheitsmenfch vom Golusmenfchen entfernt, defto intenfiver quillt fein Wille zur Tat auf. Als Herzl zur Tat fchritt, ward er der einfamfte Jude, einfamer vielleicht als der klagende Jefaias draußen vor den Toren Jerufalems. Gerade der einfame, in die Verbanntheit verfchlagene Phantafiemenfch kann den Zufammen* hang mit dem vergangenen, gegenwärtigen und kommenden Volkstum finden,durch feine geftaltende Sehnfucht, die fernwirkende. Alles, was im Organismus des Volkes Verzweiflung und Zeriffenheit ift, wird im Künftler zur Harmonie. Der Künftler nimmt unbe* wüßt die Tragik feines Volkes auf fich und verleibt fich fie ein. Dann aber lebt er die Tragik feines Volkes mit, er hat die Gefchichte und das Blut aller Märtyrer in fich, die vor ihm gelitten haben. Und indem er die Miffion, Jude zu fein, auf fich nimmt, erhöht er den Sinn feines Lebens, das Vergangene wird ihm gegenwärtig, er regiert das unterirdifche Schickfal feines Volkes. Der Selbfterziehungsprozcß des Schaffenden, des Einzelnen, Einfamen alfo, bildet den fruchtbaren Boden für die geiftige Ent= Wicklung und darum muß man fich dazu bekennen, daß das Problem der jüdifchen Kunft — hier 'Schaffungstrieb bedeutend im weiteften Sinne— zu einem der Grur.dprobleme des jüdifchen Volkes wird. Damit wird die Bedeutung der jüdifchen Kunft durdiaus nicht überfchatzt. Denn wir haben ja das Sdiaufpicl erlebt, * ' daß als Ausdruck des neuen Gefühlslebens gleidifam vulkanifch künftleriche Triebe hervorbrachen und vollwertig fich durchfetzten. Allerdings könnten in einer Epoche, in welcher bei Beurteilung von Kunftwerken immer nodi eine befondere Bedeutung auf die Heimatkunft gelegt wird, die bildnerifchen Sd^öpfungen jüdifchen Geiftes leicht verurteilt fein, enc unverftändlichc Rolle zu fpielen. 14

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