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Freie Tribüne · 1921-11-15 · 24 (15.11.1921) · page 3

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Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
24 (15.11.1921)
Date
1921-11-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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N*. 14 S FREI! TWBOHE SglTE 3 Verhältnis rrischen den . arbeitenden Missen des arabischen und jüdisesbn Volkes 6ich freundschaftlich gestalten kann. Zeit ist, dacs die geiammte jüdische Arbeiterschaft Palästinas diesen Weg betritt Dann wird das letzte Blut nicht umsonst gefossen sein. Görlitz von Otto Kau8. Erstaunen oder Bestürzung, die sich mancherorten zeigten, fit»er die Beschlüsse des Görlitzer Parteitages, die dem Parteiverstand der S. P. D. freie Hand lassen für eine Koalition mit der Deutschen Volkspartei, beweise« eigentlich nur das schlechte Gedachtiiis uad in einem gewissen Sinne die Leichtgläubigkeit der Mensehen. Wie lange ist es her, dass Sozialdemokraten die burgfriedlerlschen Regierungen Wilhelms II schmückten, — wie lange dass deutsche Sozialdemokraten mit Stolz und Begeisterung den Schlitz der Bourgeoisrep*bIik gegen das revolutionäre Proletariat In die Hand nahmen? Üie Weimarer Verfassimg, Eberths und Schelnemanns Hirnkasten entsprungen, sanktionierte die neuen Volksfreiheitca in einer Atmosphäre de» Belagerungszustandes und der kannibalischen Unterdrückung, die Deutchland-seit den Tagen des »Kartitschenprinzen" nicht mehr gesehen hatte, und wenH ihre demokratische Reinheit kein Tröpfchen reaktionären Blutes besudelte, so wurden Sinn und Zweck ihrer Ceburt dem Proletariat umso deutlicher mit Flinte und S&bel veranschaulicht. Es war doch damals allen vollkommen klar: für eine Partei, die in dieser Verfassnng das köstlichste Resultat der Revolution erblickt, gibt es keinen weg und keine Entwicklung mehr naeh links, — Ihr Weg führt immer tiefer nach rechts hinein. Über die Leiche des Arbeiter und Soldatenrates hinweg, reichten die Sozialdemokraten den bürgerlichen Parteien die Hand. Durch die Pforte der Koalition ging die S.P.D. ■einer neuen Zukunft entgegen. Wenn wir von Leichtgläubigkeit sprachen, so meinten wir den Umstand, das erst Jetzt, da die S. P. D. sich anschickt, ihr Koalitionsprinzip auch auf die Deutsche Volkspartei auszudehnen, sich ein stärkerer Widerstand in breitern Kreisen der Partei zu regen beginnt. Dieses späte und halbe Erwachen, beweist, dass es der Partei bisher mit grossem Geschick gelungen ist, Wesen und Ursprung ihrer demokratischen Politik zu verschleiern. Denn sobald wir die Koalitionspolitik der Reformisten auf ihr Wesen hin betrachten, das eine nicht nur formale, sondern wirkliche Interessengemeinschaft zwischen Bürgertum und Proletariat voraussezt, so liegt zwischen einer Verbindung mit dem Zentrum und dftH Demokraten und der Zusammenarbeit mit der Deutschen Volkspartei der Unterschied bloss In der Phraselogie. Wer die Geschichte des Zentrums seit Bismarcks seligen Zeiten verfolgt hat, weiss, dass das Verhalten dieser Partei in allen Fragen der Politik, des Marinismus, Militarismus, Imperialismus der Zoll und Steuerfragen, an streng kapitalistischer Konsequenz niemals etwas zu wünschen übrig liesc. Das Zentrum hat den schein eines oppositlonelen Radikalismus, zu dem ihm Bismark billig verholfen hatte, als er es mit plumper Kurzsichtigkeit in den Kulturkampf hineinhetzte, in die hohlste Demagogie umgesetzt deren es sich bediente, um vor seiner unfehlbaren Kapitulation von den diversen kaiserlichen Regierungen kleine Vorteile zu erschachern. Handfeste, einwandfreie kapitalistische Prinzipien lagen den Pazifismus und der späteren Finanzpolitik des Erzbergerflügels zugrunde, deren zweideutigen Char*kter.?zu enthüllen, nicht zu verwischen, die Aufgabe einer proletarischen Partei gewesen wäre. Vergebens wird man auch in der Geschichte der letzten Jahre nach einem hiebuad stichfesten republikanischen Bekenntnis des Zentrums suchen, das jeden Rückfall in, den Hofton auascliliessen würde. Die Erklärungen des Zentrums waren bisher stets mehr für die Republik, als gegen die Monarchie ... Für die Republik als »gegebene Tatsache", d. h. als notwendiges Übel, ■keineswegs als angestrebter} oder erstrebenswerter Zustand. Bei der Frage Zentrum — Deutsche Volkspartei geht es also um Nuancen, um Feinheiten für Feinschmeker, keineswegs um weithin sichtbare Prinzipien. Jene sozialdemokratischen Befürworter der Erweiterung der Koalition nach rechte, welche auf die Inkonsequenz der Opposition hinwiesen, die zwischen Zentrum und Volkspartei einen fundamentalen Unterschied machen wollen, waren vollständig Im Kecht. Es ist bloss ein Zeichen für die Begrifskorruptlon und die Unsicherheit aller politischen Vorstellungen, die im Zwielicht der Koalitlonspdlltik emporwuchern missen, wenn so breite Kreise de« Proletariats lange Zeit sich durch' die Einbildung von der fortschrittlichen, arbeiterfreundlichen Funktion des Zentrus beruhigen Hessen, um erst beim nächsten Schritt nach recht6 Alarm zu schlagen. Durch den neuen Beiculuss der S. P. D. hat sich an dem Wesen dieser Partei in Wirkllchket nichts geändert weder zum Guten noch zum Schlechten. Die ehrliehen Absichten der Opposition, die sich am Purteltag selbst und, heftiger noch, in den Diskussionen uater der Mltgliedersehaft nach dem Parteitag hervorwagte, sollen dftmlt nicht angezweifelt, sondern blos Ins rechte Licht gesefzt werden, in all ihrer Unklarheit nnd Unsicherheit. Die Erklärung dar Vorgänge in der S. F. D. naeh dem Einlache» Schema: Dttrchdrtngnng der Partei mit kleinbflrgerllcjien Elementen, Auslieferung an Tu der Rc««krt«n. DrligwMU Parteiarbeiten Maebten dt« rechtzeitige Erscheinen dieser -- Nummer unmöglich. die Burtaukratle nnd Arbeiterarlstrokatie, und die Feststellung des Gegensatzes: hie kleinbürgerlicher Reformismus (der Bureaukraten, Intellektuellen, kleinen Geechäftsleute, die in der Partei sind) — hie proletarische Opposition der schwieligen Faust, übersieht regelmässig die unleugbare Tatsache, dass die SPD. sich als die stärkste Arbeiterpartei im wahren Sinne des Wortes, als jene Partei, welche die grös6ten Massen der Arbeiter und die wichtigster Schiebten des Proletariats ümschliessst, durchaus behauptet hat Bureaukratonherrschaft und Organisationszwang sind doch letztens Ende«, so stark man ihren Einfluss auf äa6 tägliche Leben einer Partei einschätzen mag, im Vergleich zu den historischen Esschfitterungen an denen sich das deutsche Proletariat erproben musste, bloss äusserst schwache Sicherungen. Wir glauben viel eher, das sich in dem unentwegten Reformismus der S. P. D. keine von aussen eingerichtet, sondern aine aus dem deutschen Proletariat gleichsam spontan erwachsenden Illusion auslebt. Eine Partei, welche ~ Woskes Satunalien, die Verrätereien nach dem Kapp-Putsch, die Belagerungszustandspolitik fibertauchte — um nur einige Tatsachen zu nennen — lebt nicht von der Hand in den Mund. Sie ist, das was sie zn sein vorgibt : nicht ein Irrtum, sondern ein Zustand des Proletariats, das Ist die historische Tatsache, mit der sich jeder, der den Kampf mitj dem Reformismus aufnimmt, auseinandersetzen muss. „Proletarier!" ist der Reformismrs ebenso wie der Radikalismus, — eine »kleinbürgerliche" Infektion ist hier ebenso wie dort möglich.- Die Oppoaftien In der S. P. D. hat nur lnsoferne eine« vorwärtstreibenden Entwicklungsweg, als sie die Enttäuschung des Proletariats am Reformismus überhaupt zum Ausdruck bringt; insoferne sie bloss vor der Volkspartef zurtckscheut, Ist ihre Tragfähigkeit äusserst beschränkt. Die Enttäuschung über die allgemeinen Ergebnisse des bisherigen Kurses konnte man nun Im Letzten Jahr in der S. P. D. deutlich verfolgen, besonders an der Sprache der Provinzpresse. Würde es sich bloss darum handeln, gegen Bürokratismus und ein arbeiterfremdes Element in der Partei aufzutreten, so 'muss man annehmen, das diese in den wirtschaftlichen Tatsachen tief begründete Unzufriedenheit bereits viel eindeutigere Ergebnisse gezeitigt hätte. Wen die Linke bisher keineswegs mit jener Entschiedenheit aufzutreten wagte, wie die Rechte, so hat das wohl seinen wichtigsten Grund darin, dass es auch den -Massen der Unzufriedenen bewusst ist, dass sie durch eine scharfe Opposition nicht die Loslösung von cfciem klasvenfremden Element, sondern eine neue Spaltung im Proletariat selbst vorbereiten. Stärker als je lebt In deutschen Proletariat die - Angst vor der Spaltung, das Bedürfnis nach Wiedervereinigung mit den bereits losgetrennten proletarischen Gruppen. In einem Augenblick, in demdie politische Entwicklung der Rechten starke Argumente in die Hand spielt, die sie im Rahmen ihrer politisshen Auffassung mit aller Wucht einsetzen kann, (Reparationen, Steuern usw.) muss die Linke Im Hintertreffen bleiben, solange sie den einzig möglichen prinzipiellen Boden ihrer Opposition nicht zu betreten wagt und nicht betreten kann. Die Grundlage der Opposition könnte nur durch die Aufopferung des demokratischen Prinzips selbst, durch das offene Bekenntnis zum revolutionären Klassenkampf mit allen seinen Konsequenzen gefunden werden. Das Auftauchen und das Vortragen dieses Gedankens bedeutet jedoch für die S. P. D. die Spaltung. Dass in derselben Tagung, die zum ersten Mal eine stärkere Opposition sah, der Reformismus in saubere Paragraphen in ein funkelnagelneues Parteiprogramm gekleidet wurde, unterstreicht fingerdick die Situation. Der Held einer Opposition, die sich in eine solche Sackgasse treiben Hess, kennte nur ein Ströbel sein. Die Entwicklung hätte sich unzwelfehäft günstiger für die Linke gestaltet, wenn sie ausserhalb der S. P. D. eine proletarische Partei erblickt hätte, die ihr eine starke Unterstützung auch für den Fall einer Spaltung geboten hätte, eine Partei» welche das revolutionäre Prinzip mit Entschiedenheit und taktischer Klarkeit verkörperte. Die U. S. P. D. konnte diese Funktion nicht Übernehmen in einem Augenblick, da sie selbst von Koalitionswehen befallen ist. Für die Massen der S.P.D. kommt eine Verbindung mit der K.P.D. so lange nicht in Betracht, als diese in Gedächniss des Proletariats nicht alle jene Fehltritte ausgelöscht hat, zu denen sich jene Elemente hinrelssen Hessen, die einen Augenblick verfassen, das eine proletarische Partei in der Klasse eingebettet ist und trotz aller besseren Erkenntnis in jeder Bewegung abhänging bleibt von der Gesammtbewegttng der Klasse. Der reformistische Flügel des deutschen Proletariats kann Orgien feiern, weil der revolutionäre Flügel etwas zu heftig an den Gelenken des proletarischen Klassenorganisraus gerissen hat. Mögen wir hoffen, dass fortwährender revolutionärer Erkenntniss und Faktische Reife die deutsche Arbeiterschaft Iber den toten Punkt hlnweghebt 1 - Der Italienisch* Parteitag. ISO BrUNTE. (Richtung Lazzarl) Wiener Berichterstatter des .Avant!* Am Parteitag zu Llvorno, auf dem sich die Spaltung der Soziallstischen Partei Italiens und der Anstritt der Kommunismen vollzog worde beschlossen eine dreigliedrig* Delegation (Lazzarl, Maffl und Riboldi) nach Moskau, za entsenden, an den Kongress zu apellieren und sich dessen Beschlüssen zu unterwerfen. Die Delegation wurde Im Moskau, sehr entgegenkommend empfangen. Lazzarl, der vordem rechts von Serrati gestanden war, hatte sich nun von der Unrichtigkeit der Behauptungen Serratls über« zeugt und schwenkte deutlich nach links ab. Das Entgegenkommen an die S. P. J. — es wurde nur mehr dli. Ausschliessung der Reformisten verlangt — war so gross dass es allgemein hiess, es hätte die Spaltung verhindert"" werden können, wenn diese Konzessionen früher gemacht werden wären. Die gegensätze hatten sich jedoch in der Zwischenzelt sehr vertieft, die Reformisten hatten durch die Indirekte Teiluahme an den Regierungsgeschäften Ihre Stellung deutlich bekundet. Auf Grund der Entscheidung des Livorner Parteitages unterwarf sich die Delegation den Beschlüssen des III. Kongresses und verpflichtete sich, diese auf dem Parteitag in Mailand geltend zu machen. Bei der Berichterstattung erklärte sich Serrati sofort mit der Delegation einverstanden und Lazzarl glaubte, Ihn auf seiner Seite zu haben. Doch einige Wochen vor dem Mailänder Parteitag Hess Serrati die Delegation im Stiche und erklärte sich offen gegen Moskau. Als Vorwand, hiezu sollte Ihm die Tatsache dienen, dass Moskau, an die Italienische Partei einen Aufruf erlassen habe, der angeblich die Ehre und Würde der Partei verletze: Nun war der Delegation die Möglichkeit genommen, sich überhaupt ernstlich für den Kongress verzubereiten, und so ist es zu erklären, das» anf deren Anträge nur 5700 Stimmen entfielen. Die Delegierten hatten jedoch im Voraus ein Imperatives Mandant; sie wurden gewählt noch ehe Serrati Stellung genommen hatte, Die 3700 Stimmen wurden grösstenteils von Delegiertenabgeben, die auf eigene Faust stimmten. Die Stimmung des Kongresses ist aus dem Empfang ersichtlich, der der Delegation bereitet werde, sie wurde äusserst lebhaft begrüsst. Es sei hier bemerkt, dass Friedrich Adler mit Pfu-Rufen empfangen und von Lazzarl selbst heftig angegriffen wurde. Die derzeitige Lage Ist folgende: Serrati und Genossen behaupten, dass sie Kommunisten seien, lehnen jedoch jede Mitarbeit mit Moskau ab. Die Reformisten erstarken in der Partei. Gegen 14.000 Stimmen in Livorno erhielten sie diesmal 20.000, Serrati dagegen hat viel verloren. Er hatte in Livorno 90.000, in Mailand 40.000 Stimmen. Die Soz. Partei selbst hat an Mitgliedern verloren währed die Komm. Partei viel gewonnen hat. Eine halbe Million gewerkschaftlich organieslerter Arbeiter haben sich für die rote Gewerkschaft Internationale erklärt. Über die Rolle dieser halben MiIliön:Arbaiter wird am Gewerkschaftskongress am 6. Nov. endgiltig beschlossen werden. Die Sozialistische Partei gilt selbstverständlich als starker politischer Faktor im Lande: Die Regierung und bürgerlichen Partei rechnen darauf, durch die fünfzehnhundert Gemeinden, die im Besitze des S. P. sind und durch die Genossenschaften sich die Soz. Partei immer mehr anzunäheren. Auch der italienische Staat betrachtet die S. P. I. als eine Stütze gegen die K. P. Ich erhielt eine Karte von Lazzarl, in der er schreibt : „wir werden den Kampf nicht aufgeben und wir sind sicher, unser Ziel zu erreichen". Tatsache ist, dass es Lazzarl genügen würde in der Partei eine Aufklärungstätigkeit über die Intriguen Serratis zu entfalten um In kurzer Zeit die Mehrheit auf seiner Teite Zu haben. Die Motiven dieser Behauptung sind folgende: Vor allem ist Sowjet-Russland sehr populär unter den Arbeltern, ferner Sprechen Serrati und alle Führer, um ihre Popularität bei den Arbeitern aufrecht zu erhalten noch immer im Namen der III. Internationale, auch ist niemand imstande, sich der Autorität Lazzarl's entgegenzustellen. Charakteristisch ist, dass ein Grosstell der Lokalsektloneu keine Delegierten zum Malländer Kongress entsendet haben und zwar mit der Begründung, dass, es sich hier nur um einen Kampf zwischen den Führern handelt, bei dem die Massen nichts zu suchen hätten. Was Serrati anbelangt, ist sicher, dass er nicht In die zweleinhaibte Internationale eintreten wird, da er «ich für die Hl. Internationale bereits zu sehr exponiert hat. Er wird jedoch in den nächsten Tagen eine Reise nach Frankreich, Belgien und Dentschland unternehmen, um dort im, Einverständnis mit Paul Levi eine neue Internationale zu gründen. An unsere Lasar und Freunds! Dia andauernde 8t«ffervnf aller ——- Preiee zwingen nne den Preis des Blattes zu erhöhen. Refaktien ttui Administration Frei« Tribflhne.

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