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Freie Tribüne · 1921-11-15 · 24 (15.11.1921) · page 2

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Journal
Freie Tribüne
Volume
3 (1921)
Issue
24 (15.11.1921)
Date
1921-11-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SEITE 2 FREIE TRIBÜNE Nft 24 schieden artiger Länder und Völker zu erkennen und zu berücksichtigen. Es galt aber auch der Kommunistischen In« ternationale unzweideutig und aufrichtig zu sagen dass Sie, in der Erkenntnis des jüdischen Arbeiterproblems, auf halben Wege stehen geblieben ist; dass die Konzentrierung der jüdischen wandernden Massen und deren wirschaftliche Verankerung in Palästina die richtig verstandene, revolutionäre Aufgabe der jüdischen kommunistishhen Bewegung sei. Indem die Verbandsberatung einmutig, den Brief der Exekutive, als den Boden für die Weiterführung unserer Anschlussaktion erklärte und mit gleicher Einmütigkeit betonte, dass die jüdische kommunistische Bewegung, die Idee der Konzentrierung der jüdischen wandernden Massen in Palästina nicht aufgeben kann, schuf sie volle Klarheit über die politische Linie unseres Verbandes bis zur nächsten Weltkonferenz. Entsprechend . dieser politischen Linie gab die Verbandsberatung den Parteien politische und praktische Directiven, auf dem Gebiete der allgemeinen Politik sowohl, als auch hinsichtlich der aktuellen jüdischen Arbeiterfragen. Aus diesen Directiven wären die praktischen Anweisungen, zur Schaffung der, für unsere proletarische Palästinaarbeit notwendigen Mittel, besonders hervorzuheben. Frei aller Illusionen, eines möglichen wirtschaftlichen Aufbaues Palästinas gemeinsamm mit dem zionistischen Bürgertum, wies die Beratung, diejenigen, wohl beschränkten, jedoch umso verlässlicheren Mittel, für die Befestigung der wirtschaftlichen Positionen der jüdischen Arbeiterschaft im Lande und für die Erweiterung der Aufnahmsfähigkeit des Landes, aus den eigenen Kräften des jüdischen Proletariats. So hat die Verbandsberatung in mühevoller und ernster Arbeit die Konsolidierung unserer Bewegung besiegelt und unserem Verbände den Weg zum Anscliluss gewiesen; zum Anschluss der jüdischen kommunistischen Bewegung an die Kommunistische Internationale. Rundschau. Oesterreich. Während die innere, wirtschaftliche Lage immer unerträglicher wird, scheint sich die äussere, politische Lage etwas, zu klären. Deutschwestungarn soll nun endlich in österreichischen Besitz gelangen. Die Besitzergreifung, wie es in den amtlichen Berichten heisst, geht nun planmässig* und ohne Störung vor sich. So sehr wir es begrüssen, dass die Arbeitenden Westungars aus den Qualen des Hortysystems erlöst werden, so sehr müssen wir die Arbeiterschaft warnen, sich durch irgend einen nationalen Befreiungsjubel von der inneren, wirtschaftlichen Lage ablenken zu lassen. Die Arbeiterschaft Oesterreichs rftuss, gemeinsam mit den zu uns gestossenen Burgenländern, sich nun mehr daran machen, die in's Unerträgliche gestiegene Not mit revolutionären Mitteln zu bannen. Monatelang redet man in sozialdemokratischen Lager davon, dass man die ausserordentliche Not nur durch ausserordentliche Mittel erfolgreich bekämpfen kann; Wo bleiben nun diese Mittel, wo der ernste . Wille zum Kampf. Doch unter ausserordentlichen Kampfmittel scheinen unsere Sozialdemokraten nicht den revolutionären Klassenkampf, sondern gute, überzeugungskräftige Reden und Leitartikel zu verstehen. Und da es sich tatsächlich so verhält, da unsere Besitzenden und Regierenden aus Erfahrung ■wohl wissen, wass sie von sozialdemokratischen Kampfsansagen zu halten haben, denken sie auch gar nicht daran diese Drohungen ernst zu nehmen. So erleben wir es täglich von Neuem, dass die bürgerlichen Parteien immer frecher, immer herausfordernder werden während die Sozialdemokratie und die Gewerkschaften immer kleinlauter beigeben. So geschah es mit dem sozialdemokratischen Finanzplan, so in der Arbeitslosenfrage und so in der frage der Lebenmittelzuschüsse. Man erinnere sich, mit welchem Aplomb die Sozialdemokratie ihren staatsrettenden Firianzplan angekündigt hatte und man vergleiche die letzten Massnahmen der Regierung auf diesem Gebiet, um richtig zu erkennen, wie ohnmächtig die Arbeiterschaft und wie übermütig die Bourgeoisie wird. Auch für Oesterreich gilt eben $er Grundsatz vom Klassenkampf. Der König ist gefallen, der Königsknecht thront. Karl kam, Wurde geschlagen und ging. Nachdem er aber durch die Hortytruppen besiegt und nicht durch die revolutionäre Erne-* bung weggejagt wurde, ist in Ungarn bloss der König gefallen, nicht aber das Königtum. In dem ungarischen Zwieschenspiel hat sich das wahre Wesen der europäischen gross- undkleinententistischen „Demokratien" offenbarst. Nicht für ein demokratisches, republikanisches Ungar» haben sie mobilisiert, Für die Erhaltung ihres eigenen Besitzes, den sie durch Karl bedroht wähnten, waren sie bereit in den Krieg zu ziehen: Nun, da die Habsburggefahr vorüber ist, überlassen, die „Demokratien" Europas, dem Habsburgerknecht das. aus tausend Wunden blutende ungarische Volk. Ja, die Selbstbefreiung ist und bleibt das einzige Mittel für das arbeitende Volk. Polen. Das Land der dauernden Krisen. Die wirtschaftliche Lage Polens kann nur noch mit derjenigen Oesterreichs vergleichen worden. Dies, trotzdem Polen über ungeheuere Naturschätze, wie Kohle und Petroleum sowie über unermessliche Gebiete fruchtbarsten Boden verfügt. Der vollständige Niedergang der polnischen Wöhrung verursachte eine, nie dagewesene Teuerung aller Bedarfsartikel. Als vor kurzen die polnische Valuta, infolge der Entscheidung des „Völkerbundes" wegen Oberschlesien, eine Besserung erfuhr, trat eine völlige Stockung des Absatzes ein. Zur Teuerung gesellte sich die Afbitslosigkeit. Kein Wunder, dass sich die Arbeiterschaft allmählich von den verräterischen Parteien abwendet und der Kommunistischen Partei zuströmt Die in der letzten Zeit stattgehabten zahlreichen Wahlen in verschiedenen Gewerckschaftsverbänden, Krankenkassen ect. weisen eine, immer ansteigende, Anzahl erwählter Kommunisten auf. Dies obwohl die K. P. in Polen eine illegale Existenz führt und furchtbar unterdrückt wird. Die Regierung scheint aber, ob der kommunistischen Wahlerfolge, als Zeichen der Erstarkung des/revolutionären Bewustseins, sehr besorgt und...greift zum... Kommunistengesetz. Es scheint der P. P. S.-Herrschaft besonders darum zutun, bei den bevorstehenden Seimwahlen, die Kommunisten aus dem Wahlkampf auszuschliessen. Doch die revolutionäre Arbeiterschaft Polens wird es verstehen auch diesen Anschlag erfolgreich abzuwähren. Die Gegenrevolution trivkt jüdisches Blut. Nachdem die Sowjetregierung auch den furchbarsten Feind, den Hunger, aus eigener Kraft erlolgreich zu bekämpfen versteht, greifen die verbündeten Gegenrevolutionären Kräfte zu dem ebenso alten, wie nicht bewährtem Mittel der bewaffneten Intervention. Es gelang der französischen Bourgeosie nicht, Polen in den Krieg zu schicken. Die englischen Intrigen hatten mehr erfolg. Petljura, der sozialdemokratische Pogrom-Ataman versuchte noch einmal sein Glück. Nun, da er die rote Armee gut gerüstet fand, rächten sich seine Banden an der wehrlosen, friedlichen jüdischen Bevölkerung. Wieder strömte das jüdische Blut in Flüssen, vergossen von der sozialdemokratischen Gegenrevolution Petljuras. Die Gegenrevolution erfordert eben jüdisches Blut. Die Arbeiterschaft muss auf der Hut bleiben. Petljura ist von den europäischen Mächten ausgerüstet worden. Wie lange werden die organisierten Proletarier diesem Treiben zusehen. Auch die jüdischen Proletarier müssen diesem Gegenrevolutionären Treiben besondere Aufmerksamkeit zuwenden. Sympatisirt doch die jüdische Bourgeosie — nationale und assimilatorischemit den Petljura Plänen und hilft, diejenigen Banden auszurüssten, die die Pogrome veranstalten. Die Verhandlungen der Zionisten mit der Petljura-Regierung. (Rosta Wien.) Die Mitteilung des jüdischen Pressbüreaus der Petljura-Regierung über die Verhandlungen der Zionisten mit der Petljura-Regierung wurden von dem Mitglied der zionistischen Exekutive Jabotinski in der Richtung dementiert, dass er offizielle Verhandlungen ableugnete, und nur von privaten Gesprächen mit Freunden über die Verhütung von Pogromen gegen die Juden im Falle eines Vormarsches der PetljurÄ-Anhärrger gegen die Söwjetukraine berichtete. Zu diesem Dementi nimmt das jüdische PresSbüfeau der Petljura-Regierung in einem ausführlichen Kommunique vom 24. Oktober, welches im Lemberger „Ridnyj Kraj" vollinhaltlich veröffentlicht wurde, Stellung. Dieses Kommunique besagt, dass Ende Juli in Prag *wei Unterredungen zwischen defn Vertreter der Petljura- Regierung in der Tscheche-Slowakei, Slawinski und dem Mitglied der zionistischen Exekutive, Jabotinski stattfanden, in denen alle prinzipiellen Fragen der ukrainisch-jüdischen Beziehungen besprochen wurden. Am 30! August fand in Karlsbad eine Konferenz zwischen Slawinski, dem Vertreter der operettenhaften „westukrainischen Republik", Smal Stozki,, und Jabotinski statt. Diese Konferenzen wurden am 31. August wiederholt. Es kam zu einer Klärung der Angelegenheiten der ukrainisch-jüdischen Beziehungen, und diese Besprechung wurde in einem Protokoll niedergelegt, das die Unterschriften von Slawinski und Jabotinski tragt. Dieses Protokoll beginnt folgendermassen: „Am 4. September 1921 ist in Karlsbad ira Hotel Olympia und Palace-Hotel zwischen den Gefertigten eine prinzipielle Übereinstimmung festgestellt worden, die Nachstehendes besagt: Es folgen sieben konkrette Punkte, die die Vorschläge bezüglich der jüdisch-ukraieischen Beratungen zusammenfassen. Der Akt schliesst damit, dass die Gefertigten sich verpflüchten, ihren Einfiuss in der eigenen Wirkungsspähre auszunützen, um den Plan praktisch durchzuführen. Die technischen Mittel der Durchführung sollen Gegenstand weiterer Vereinbarungen sein. An den ietzten Konferenzen, in denen dieses Dokument redigiert wurde, nahm auch ' der englische Zionistenfreund Paterson, Oberst der englischen Armmee, teil, der sich auch sehr eifrig für die Sache eingesetzt und seine Unterstützung versprochen hat. Die weitere Verhandlungen in dieser Angelegenheit sind dem Führer der ukrainischen Zionisten Temkin übergeben worden. Den Inhalt der konkreten Punkte des Protokolls verrät das Kommunique nicht, Sollte etwa der militante Herr Jabotinski, der im Weltkriege jüdische Legionen zur Unterstützung des englischen Vormarsches gegen die Türkei und in Syrien aufgestellt hat, auch jetzt die Aufstellung von jüdischen Legionen gegen die Sowjetukraine geplant haben? So weit die Rostameldung. Es erübrigt sich auch nur ein Wort hinzuzufügen. PaBästina. Wieder eine Warnung! Am 2. November, dem Jahrestage der Balfourdeklaration ist in Jerusalem wieder Jüdisches Blut geflossen. Die zionistische „Wiener Morgenzeitung" knüpfte an. die offiziele Meldung folgende lakonische Äusserung; „eine Kommentierung dieser Nachricht ist, insolange nicht genauere Details vorliegen, inoppprtum," Und so weiss das zionistische Blatt zu den traurigen Geschehnissen des 2. Ncvember, nichts zusagen bis man aus London die nötige Weisung erhält-Jawohl „inopportun" ist es für die Zionisten die Trauerbotschaft zu kommentieren. Der im heutigen Blatte veröffentlichte Brief aus Palästina zeugt dafür. Wenn man in Palästina eine Politik macht, wie diejenige der zionistischen Organisation, dann muss man sich wahrlich scheuen, die, nunmehr zur Chronik gewordenen Pogrome, zu kommentieren. Das die englische Regierung sich beeilt hat mit „strengem" aber „gerechtem" Urteil die Mörder zu „bestrafen," wundert uns ebenfalls nicht. Man bedenke: neun Monate und eine Woche Gefängnis für fünf tote Juden; ist das nicht „Gerecht." Wir wären versueht dieses Urteil des ausserordentlichen Gerichtshofen, als eine Prämierung der Pogrombanditen zu betrachten, wenn, ja, wenn die zionistische Presse uns nicht eines besseren belehrt hätte. Die Zionistenblätter scheinen aus London die Weisung erhalten zu haben über den Pogrom vom 2. November zur Tagesordnung überzugehen. Ünd so nennen die Zionistenblätter die Mörder schonungsvoll „Ruhestörer" (Jüdische Rundschau Nr. 90 von 11/XL 1921) „Excedenten" (Wiener Morgenzeitung Nr. 1002 vom 12 November 1921) und halten es, scheinbar für inopportun das hohnsprechende Urteil der englischen Justiz auch nur zu kommentieren. Und die sogenannte Arbeiterpartei „Achduth Haawodah"? Werden die jüdischen Arbeiter wenigstens die neue Warnung verstehen und endlich einsehen, dass. nur durch eine aufrichtige internationalistische Politik, wie sie von der Korn. Partei Palästinas geführt, das

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