Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 21-22 (23.7.1921)
- Date
- 1921-07-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2827798-2827799-2827813--530-2828625- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
NR. 21—22 SEITE 5 Unsere Delegation auf dem HL Kongreß. '»srz?*2£Z*£^ Gemäß dem Beschiiisse der Mandatprüfungskommission wurde die Delegation unseres Weltverbandes zum III. Kongresse der Kommunistischen Internationale mit beratender Stimme zugelassen. Die Delegation besteht aus 7 Mitgliedern, darunter 2 Vertreter der Kommunistischen Partei Palästinas. Die Frage unseres endgültigen Anschlusses wird in einer der nächsten Sitzungen des Exekutivkomitees der III. Kommunistischen Internationale behandelt werden. An den Arbeiten unserer Delegation beteiligen sich ferner: Ein poalezioiiistjscher Genosse, der als Mitglied der Delegation der Vereinigten Kommunistischen Partei Deutschlands am Kongresse teilnimmt und auch ein Delegierter der Kommunistischen Partei Rumäniens. die sich in das neue Regime einleben, eine gesellschaftliche Kraft, gegen die Autonomie, sie bilden einen assimilierenden Macht faktor. Und darin liegt der tiefste und tragischeste Widerspruch der jüdischen nationalen Autonomie in Rußland, der ihr den Weg zu ihrer Verwirklichung verbarrikadiert. Die treibende Kraft der jüdischen Autonomie bildet das dringende Ee lürfnis nach Produktivierung. Diese ist aber ein dauernd«, nicht nur wirtschaftliches, sondern auch erzieherisch-gesellschaftliches Problem. . Im Chaos der Uebcrgangszeit, im gigantischen Tohuwawohu der sozialen Revolution und im unbegrenzten Räume der proletarischen Weltfront ertrinkt diese kleine rein-jüdische Angelegenheit. Im Durcheinander des jüdischen Lebens, bei der Kopflosigkeit des Kleinbürgertums und gleichzeitigem Mangel' an Orientierung bei den jüdischen kommunistischen Parteien kann man kaum hoffen, daß dieses Problem die richtige Lösung finden wird. Vieles hängt auch von der nächsten ökonomischen Entwicklung Sowjetrußlands ab. Wie bekannt ringen dort zwei Hauptkräfte: das privatwirtschaftliche Bauerntum und das sozialistische Proletariat, die Tendenz zum anarchischen Handel" und zur kapitalistischen Wirtschaft einerseits und die Tendenz zur sozialistischen Wirtschaft andererseits. Der Kampf ist schwer und langwierig. Wer aus diesem Kampfe als Sieger hervorgehen wird, das hängt nicht nur von Rußland allein, sondern auch von einer Reihe bestimmter internationaler Er-> scheinungen ab. Für einen Menschen, der die jetzige Weltlage vom kommunistischen Standpunkte aus betrachtet, ist es klar, daß die organisierte Macht des Proletariats obsiegen und die chaotischen Tendenzen des Bauerntums überwinden muß. Es ist aber unmöglich, vorauszusagen, wie lange dieses Ringen dauern wird und welche komplizierten Formen und Zickzacklinien der Kam'p/ wie auch das Nebeneinanderleben der beiden entgegengesetzten Wirtschaftssysteme durchmachen wird. Es ist leicht möglich, daß kleinere jmd größere Kooperativen und eingeschränkter Privathandel1 lange noch andauern und eine wichtige Rolle in der russischen Wirtschaft spielen weiden. Dann wird auch die Produktivierung der jüdischen Massen für längere Dauer nicht fortschreiten. Die Juden werden wieder in den neuen Handel1, In die Schlupflöcher des Staatskapitals, des "Mäklertums, allerhand Kooperativen und dergleichen eindringen. Sie werden wieder die produktive Arbeit meiden und die Stunde ihres ökonomischen Unterganges, hinausziehen. Dann wird das Probfem der nationalen Autonomie wieder latent werden, das dringende Bedürfnis nach Produktivierung, welches jetzt die einzige Grundlage der nationalen Sowjetautoniomie bildet, wird für eine gewisse Zeit in den Hintergrund treten. Sollte aber die Tendenz zur sozialistischen Wirtschaft, zur Sozialisierung der Industrie und zur planmäßigen, gesellschaftlichen Organisation der Landwirtschaft obsiegen, sollte diese Tendenz bedeutend stärker hervortreten, als die privatwirt schaftlichen und Eigentumstendenzen, dann wird sie die jüdischen Massen zwingen, ihre Rettung vor dem Untergange in der produktiven ökonomischen Arbeit zu suchen. Dann wird die Frage der jüdischen Produktivierung wieder auf den Pl'an treten und mit ihr auch das Problem der jüdischen proletarischen Organe der Selbstverwaltung und Selbstbetätigung. Dann werden die heutigen jüdischen Abteilungen der verschiedenen Kommissariate sicherlich langsa.ni und schrittweise ihr Betätigungsgebiet erweitern und die Arbeit der jüdischen Selbstverwaltungsorgane übernehmen. Sie werden dann in immer' engere und öftere Berührung mit den jüdischen unparteiischen Massen, die die überwiegende Mehrheit des jüdischen Volkes bilden, kommen und dieselben in den Kreis der jüdischen Sowjetarbeit Wineinziehen. Der Weg ist lang und mit unnötigen Qualen und „Schäden für die Entwicklung des neuen jüdischen produktiven autonomen Lebens verbunden. Das ist die geschichtliche Strafe für unsere historische Sünde, an der wir keine subjektive Schuld tragen, die aber eine objektive Tatsache ist, und zwar unser Parasitendasein und Wurzellosigkeit. Das jüdische Proletariat muß seine Autonomie, wenn auch nach lauger und qualvoller Wartezeit endlich erlangen. A. Wald. Helfet unseren russischen Brüdern! Der für die höchsten Menscbheitsideale wider eine Welt von Mensch'lieitsvcrnichtern ringenden russischen Sowjetrepublik ist der gefährlichste Feind erstanden. Es ist als ob sich die Naturelemente gegen ihren Bezwinger, die Kulturmensch'h'eit, erhöben hätten. Eine furchtbare Dürre 'hat die Kornkammer Europas, die fette schwarze Erde, welche sich vom Chersoner Gouvernementbis Kasan an der Wolga erstreckt, heimW. gesucht Der ausgetrocknete Beden vermag die Bevölkerung nicht mehr zu ernähren. Die Brüste der Mutter Erde sind versiegt. Die Kinder sterben an Hunger, Tqphus und Cholera. Entsetzlicher Jammer geilt vom 'Martyrium Südostrußlands dem blasierten Europa in die tauben Ohren. Trotz der sonst üppigen Ergiebigkeit des' südrussischen Landes, sind dort Dürrja'hre eine periodisch1 wiederkehrende Erscheinung. In den neunziger Jahren herrschte dort eine ebenso furchtbare Hungersnot, die sich im Jahre 1908 wiederholte. Der zaristische Mörderstaat mit seinem Troß von aristokratischen Latifundienbesitzern hat aber nichts getan, um durch' rationelle Bodenkultur, durch ein künstliches Bewässerungsnetz dieser Naturerscheinung wirksam zu begegnen. Was das zaristische Regime in Jahrhunderten verbrochen 'hatte, das konnte die russische Prol'etarierrepublik in drei Jahren ständigen Kampfes gegen die Würger des westeuropäischen Imperialismus nicht gutmachen. Doch1 gibt es etwas, was uns noch entsetzlicher anmutet als der unsägliche Jammer der aus Osteuropa zu uns dringt Das ist das Schauspiel der im Gefolge des Schnitters Tod ein'hergehtenden Hyänen des westlichen Kapitalismus. Was1 kein KolLschak, Denikin, kein Judenitsch und Wränget vermochte, das soll jetzt den entfesselten Naturkräften gelingen: Die Niederschmetterung Sowjetrußlands. Und so gibt die ganze bürgerliche Presse, die feile Ausgehaltene der Bankdirektoren und Plusmacher, ihrer Genugtuung über das sich' in Qualen windende arbeitende Volk Südrußlands, unverhohlen Ausdruck. Selbst in d.er Tierwelt wäre ein solch vollständiges Versagen des Prinzips der gegenseitigen Hilfe gegen die alles vernichtenden Naturgewalten unerhört. Gegen diese bestialische Haltung der internatiotionalen Bourgeoisie und ihrer feilen Hetzpress'e tut Einigkeit des internationalen Proletariats doppelt not, Sowjetrußland hat den Kampf für seine versklavten Arbeitsbrüder in der ganzen Welt heroisch angenommen. Der Zusammenbruch Sowjetrußlands würde der Zusammenbruch der Proletarierklasse auf dem ganzen Erdenrund sein und sie um Jahrhunderte ihrer Entwicklung zurückstoßen. Deshalb muß jeder Versuch1 der Bourgeoisie, die furchtbare Notlage unserer Brüder im Osten zu neuen Kriegs Un ternehmungen gegen den einzigen Arb'eiterstaat in der Welt auszunützen, an dem einmütigen Widerstand des klassenbewußten Proletariats1 zu schänden werden. Jetzt oder nie muß sich die internationale Solidarität der Arbeiter aller Länder offenbaren. Ein warmer Strom herzlichen proletarischen Zusammengehörigkeitsgefühls muß die mit Mühsal Bela'denen der ganzen Erde für ihren kämpfenden und leidenden großen Bruder, die russische Arbeiterkommune, zur zielbewußten Tathilfe aneifern. Brot und Medikamente ist der Notschrei, den die Arbeiter Rußlands durch ihren Tribunen üorki an die Menschheit gerichtet haben. Eine weltumspannende Organisation zu sofortiger gigantischer Hilfeleistung muß erstehen. Alle Arbeiterverbände mit internationalem Charakter müssen sich1 in den Dienst der Sache stellen. Nicht zuletzt auch der jüdische kommunistische Arbeiter-Weltverband Poale Zioh, der besonders durch die amerikanischen Genossen eine wirksame propagandistische Tätigkdt für dieses Ziel zu entfalten vermag. Der Zusammenschluß aller Armen und Ausgebeuteten gegen den WerwoH des Hungers gegen die Hyänen des K a p i t a I i snuis, ist die Losung: Rettet Sowjetrußtand! Rettet das Proletariat! zu Ende, jeder Tag weiß Neues, Unerhörtes vom grausamen Terror der englischen Regierung und ihrer zionistischen Lakaien zu berichten: überfüllte Gefängnisse, sinnlose Repressalien, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Boykott, — dies s5nd die Segnungen des „nationalen Heimes", die dort jetet dem jüdischen Revolutionär, ja jedem klasssnbewuBten Proletarier so reichlich zu Teil werden. Die Tore Palästinas bleiben weiter für die jüdischen Emigranten geschlossen. Ahe dürfen jetzt in das „gelobte Land" immigrieren, — alle außer Juden, oder noch genauer und subtiler, äffe — außer dem b e s i i'z losen Juden. So Will es Samuels. Tausende Emigranten - Pioniere schmachten nun an al/en Etappenpuiakte.i, sie bilden das gefundene Fressen für die häßlichsten Drangsalierungen der kleinen englischen Beamten, die eiGeps zu d;er.em Zwecke von Samuels nach Europa gesdhicki wurden. Desfrilektion von der bolschewistischen Verpestung ist ihre Aufgabe . . . Was kümmert sie auch d:e moralische und physische Not der Wanderer, die ihr Letztes hergegeben, die alle Brücken hinter sich gesprengt haben, wenn nur dieses Ziel erreicht wird. Die heilige Dreieinigkei t des orthodoxen High-Conimissoner, des römischen Papstes und des arabischen Großetfendis haben dies Werk gesegnet . . . DJe Verräter, In dem Zwielicht der dahinschwindenden Nacht des Verbie:hens und des dämmernden Tages' der Klärung vtM Besinnung, die Sühne und Vergeltung erheischen, versuchen alle diejenigen, 'deren eignes Gewissen von ungeheurer Schuld, von gräßlichem Vergehen zeugt, sich dadurch?u rechtfertigen, daß sie mm — nach dem' Schuldigen schreien Hallet den Dieb! rufen sie nach altbewährtem Rezept! Noch ist die ruchlose Verleumdung nicht verhallt, die in den erste:n Tagen nach dem Jaffacr Pogroms von der in -Kolonialpolitik (lies: Koloinialverbrechen) so bewährten englischen Regierung in die Welt gesetzt wurde: dii,ie Kommunisten sind an dem' Pogrome Schuld! Und diese offizielle R e g l e r u u g s I ü g e wurde nicht bloß von den englischen Beamten und arabischen' Effendis erfunden und1 verbreitet, sondern auch von den „Verteidigern des nationalen Heimes", den ZiBitistea und ihren Soziallakaien, bereitwilligst aufgenommen. Man vertraute so felsenfest der politischen Weishei: der „verbündeten Macht", man glaubte auch die klaffenden Gegensätze durch die Einheitsfront gegen die Kommunisten zu überbrücken, — — und so wurden diese unisono von der gesamten jüdischen Presse Palästinas zu Schuld- und. Sühneböcken erkoren. Zwar wurde bald eine „Feststellung und Berichtigung' für nötig befunden, da sich die Waffe als zwe!s'chne<;diig erwies, — doch wird die Tatsache der Verleumdung hierdurch nicht aus der Welt geschafft. Der günstige Boden für die Komtniinistenhetze im großen Stile ward durch1 sie wohl vorbereitet. Noch als unsere Genossen das Armenviertel von Nwej-Schelom verteidigten, beschloß die offizielle Gemeindevertretung von Jaffa: sobald der Pogrom vorbei ist, müsse.« alle KomniulnisEeri der Regierung 'denunziert und ausgeliefert werdea. Die Gemeinderäte der A c h du tih- Ha w o d u haben diesen ungeheuerlichen Beschluß akzeptier t. Diese Seifenblase platzte jedoch bald. Die ruchlose Verleumdung, daß die Kommunisten an dem Pogrom schuld seien, müßte von den Zionisten aus politischen Beweggründen (nicht um der Wahrheit willen), aufgegeben werden. Für Idie Araber und — nicht zuletzt für die „befreundete" Man<latärmacht blieb sie trotzdem in voller Krall. Durch diese wird sie nunmehr nicht bloß gegen uns, sondern gegen den Zionismus überhaupt gerichtet und ausgenützt. Somit aber ward für die-ven der weitere Weg der „positiven Aufklärungsarbeit" vorgezeichnet. Um sich reinzuwaschen, mußte er sich selbst aut die Verleumdung festlegen. Kein Wunder, daß die Schauermärchen von den Kommunisten und Bolschewiken ihren Gang jetzt durch die gesamte zionistische Presse der Weif antraten. Das „Antibol" wird von nun ab zum Allheilmittel der jüdischvöikischen Politik____ Den Soziallakaien wird bei der großinszenierten Maciie eine besondere Aufgabe gestellt. Sie alfein sollen sich mit den jüdischen Kommunisten auseinandersetzen. In der Athmosphäre der Lüge und des Hasses wird die Kampagne gegen den jüdischen Kommunismus weit über die Grenzen Palästinas getragen. So nur, auf ihrer Grundlage allein findet auch die 'Rosiadepesche, die von- Alexandria geschickt wurde, ihre v o 11 s t e B e r e c h 11 g u u g. — (Unsere Stellung zu dem Inhalt dieser Nachricht haben wir in einem offiziellen Kommuniikat unserer palästinensischen Partei festgelegt.) Sie gab aber das erwünschte Objekt für die Kommunistenhetze ab. Die Meister der jesuitischen Politik, die Führer der Achduth-Hawoda, scheinen sich diesmal selbst überbieten zu wollen. Die ganze Presse des rechten Verbandes, die Palästinenser an der Spitze, wimmelt von der „Desavouierung der Verräter der jüdischen Arbeiterklasse". Der „offene Verrat" bildet auch die letzte Erleuchtung des koiiimunistenfresserisehen Treibens. Ganz besonders gilt er denjenigen, „die in den Pogro<rntagen wie Ratten das Land verließen". Nun, für diese Tatsache habt Jhr, Genosse Berl und andere, nicht die kleinste Ursache abgegeben; Euer provokatorischer Wink an die „richtiige Stelle" hat hiezü nicht das Wenigste beigetragen. Alle Schmutzkübef der „einzigen sozialistischen Partei Palästinas" werden nun auf diese Genossen ausgeschüttet. Obwohl man sie auf ihrer erzwungenen Flucht verfolgt, (blieb ihr Weg etwa den führenden Genossen der Achduth