Freie Tribüne
- Journal
- Freie Tribüne
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 19-20 (4.6.1921)
- Date
- 1921-06-04
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 19-20 So bewegt es sich denn auch im stagnierenden Amerika! F&ujegegen versinkt unsere jüdische Arbeiterbewegung fast gmz im Sumpfe. Die „praktischen Führer", die Pain, die Schlesinger und die Schloßberg herrschen noch immer mit „starker Hand" und achten daraul, daß die jüdischen Arbeiter getreu zu Gompers steiften. Eine noch erstickendere Ä t h m o Sphäre herrscht bei den rechten Poale Zion. Ob die rechten P. Z. in Annika überhaupt noch als Teil der jüdischen Arbeiterbewegung anzusehen sind, ist sehr zu bezweifeln. Seit die zionistischen Apostel Weitzmann, Ussischkin, Einstein und M:ossinson in Amerika weilen, sind sie außer sich vor Entzücken. Weitzmanns Bild ziert alle Fenster ihres Parteihauses. Auf allen öffentlichen Versammlung®-! müssen sich einige Vertreter der jüd. „sozialistischen" Partei P. Z. produzieren, die dort zu erklären haben, daß sie den zionistischen Großen und dem Keren Hajessod ihr volles Vertrauen sehenVen. Zur gleichen Zeit, da die sogenannten P. Z. dien Mossinson und Ussischkin umjubeb, erschütterte die Nachricht aus Palästina van den iVeriollgungea gegen unsere dortigen Genossen die ganze jüdische Arbeiterschaft aufs tiefste. Der Briet des Genossen Admoni, in der „Proletarischen Stimme'4 wurde vofi fast allen jüd. Arbeiterzeitungen nachgedruckt. Das P r o t e s t m e e t i n g, das wir letzten Freitag veranstalteten, hatte einen außerordentlichen Erfolg. Außer unseren Genossen sprachen auch Dr. Hurwitsoh, Schitlowsky und Abraham Reisen. interessant ist die Stellungnahme des Organes der rechten 9. Z. der „Zeit". Zuerst bringt sie einen Artikel von Woliner, einem Mitglied ihres Z. K., der Zweifel an der Richtigkeit der Nachricht ausdrückt. Am nächsten Tag druckt sie einen Aufsatz ihres Theoretikers Dr. Syrkin, in welchem er sagt: „Waren wir nicht so empfindlich gegen jede kleinste Beleidigung, hätten wir nur die geringste Fähigkeit zur Objektivität, dann würden wir gerade aus dem Protest der Gymnasiasten gegen die jüdische Sprache in Palästina sehr viel lernen. Wenn auch das jüdisch-literarische Konzert in Palästina nicht um die Leute zu reizen, sondern in der besten und ehrlichsten Absicht veranstaltet wurde, ist anderseits der Protest der jungen Generation, eine schöne und edle Erscheinung. £s liegt in dem Protest starke, fanatische Leidenschaft und; es ist an uns, vor dem Fanatismus einer Idee Achtung zu bezeigen. Das Wiederaurieben des Hebräis c;h e n in Palästina bedingt Fanatismus und I n t o 1 eran z, denn es kann .nu r eine nationale Sprache geben. War also die jüdische .Versammlung in Jaffa eine ehrliche und aufrichtige Kundgebung, so müssen wir nichtsdestoweniger die palästinische Jugend mit Ehrfurcht bewundern, die mit einem solch heiligen, fanatischen Feuer die hebräische Sprache verteidigt----." \ Und noch immer jammert Mendel Singer, daß man die amerikanische Partei verleumdet. Arme Amerikaner.' B. Alei. Resolutionen 'des konstituierenden Reichsparteitages der J. K. P. in der Tschechoslowakei, Ode Jüdische Kommunistische Partei der Tschecho-Slowakei sendet bei Gelegenheit ihrer Konstituierung dem bevorstehenden III. Kongreß der Kommunistischen pen atid nationale Minoritäten, die unter an- •de rs nationalen kompakten M a j o r i t ä t en v e rsprengt sind und meistenteils ke i n bestimmte:? Territorium besitzen (Letten, Esten, Polen, Juden usw.). Die Politik des Zarismus bastand darin, diesen Minoritäten mit allen Mittelm, bis zu Pogroms (einschließlich 'Judenpogroms), [et::t, da die nationalen Vorrechte aufgehoben sind, die Gleichberechtigung der Nationalitäten verwirklicht und das Recht, der nationalen Minderheiten auf eine freie nationale Entwicklung durch den Charakter des Sowjetregimes selbst gesichert ist, besteht die Autgabe der Partei in bezug auf die werktätigen Massen dieser nationalen Gruppen darin, ihnen z\\ helfen, das ihnen ges icher te Se 1 bsten t ta 1 tun gs recht voll und ganz auszunützen. '5. Die Entwicklung der kommunistischen Organisation in den Handgebieten vollzieht sich unter einigermaßen eigen- :büßilichen »Verhältnissen, die das normale Wachstum der Parte] in diesen Orten hemmen. Wir sehen einerseits, daß die Sin. den Randgebieten tätigen großrussischen Kommunisten, die in den Verhältnissen einer „souveränen*1 Nation auigewechsen sind und keine nationale Unterdrückung gekannt haben, mitunter die Bedeutung der nationalen Besonderheiten in der Partei und Sowjetarbeit unterschätzen oder Ignorieren, den Eigentümlichkeiten der Klassenschichtung, Kultur Ethnographie und historischen Vergangenheit der b etretfenden Nationalität keine Rechnung tragen und aut diese Wei se <üe Poli tik der Partei in der nationalen Frage'vulgarisieren und entstellen. Dieser Umstand führt zu einem Abrücken vom Kommunismus in der Richtung der Souveränität, des Ko Ionisatoren tum s, des großrussischen Chauvinismus. Anderseits aber ptlegen die einheimischen Kommunisten, die die schwere Periode der nationalen Unterdrückung durchgemacht und sich noch nicht ganz von den Gespenstern des letzteren freigemacht haben, mitunter die Bedeutung der nationalen Eigentümlichkeiten in der Partei und) Sowjetarbeit zu überschätzen, /und rücken die Klassehinteressen der Werktätigen in den' Hjsntergrund oder vermengen einlach die Interessen der Werk- .täüflen der betreifenden Nation mit den sogenannten „inter- FREIE TRIBÜNE Internationale ihren, heißesten Gruß und ihre Wünsche zur weiteren bahnbrechenden Arbeit für den baldigen Sieg der proletarischen Weltrevolution. Sie teilt der Kommunistischen Internationale nachstehende i Konstituierungsbeschluß mit: „Der III. ordentliche Reichsparteitag der Jüdischen sozialdemokratischen Arbeiterpartei Poale Zion (Linke) in der Tschechoslowakischen Republik, abgehalten in Prag am t'4. und 15. Mai 1921, stellt lest, daß die Partei schon Vor Jahres Irist, als erste in diesem Staate, den Gedanken der Schaltung einer einheitlichen, internationalen kommunistischen Partei des revolutionären Proletariats der Tschechoslowakei nicht nur propagiert, sondern auch für sich 2;um Beschluß er«- hoben hat. Gleichzeitig hat sie schon damals, l beim II. ordentlichen Reichsparteitage, den unbedimgten Anschluß an die III. Internationale ausgesprochen und bei der Parteiberatung im Feber dieses Jahres die Annahme der 21 Aufnahmsbedingungen der Kommunistischen Internationale einstimmig beschlossen* ' In Konsequenz der Durchführung der 21 Bedingungen erkennt der Parteitag die unbedingte Notwendigkeit an',!d!;ei durch die Partei repräsentierte kommunistische BewiejCfungj des jüdischen Proletariats in der Tschechoslowakei der in-! ternational zu konstituierenden kommunistischen Landespartei (Sektion der III. Internationale) organisch einzugliedern, «; Daher verpflichtet der Parteitag den Parteivorstand', alle Schritte zu unternehmen, um diese Eingliederung in der zweckdienlichsten Form, sei es als Jüdisdh'e Abteilung, sei es alls Arbeitsgemeinschaft Jüdischer Kommunisten sofort vorzunehmen, sobald der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale die organisch vereinigte kommunistische Arbeiterschaft des Landes als; Sektion der III. Internationale anerkennen wird. Bis dahin erklärt der III. ordentliche Rejchsparteitag feierlich die Konstituierung der Jüdischen Kommunistischen! Partei der Tschechoslowakei, als Glied des Jüdischen Kolm.U munistischen Weltverbandes (Poale Zion)." I. Aufgaben der J. K. P. Die Jüdische Kommunistische Partei der Tschechoslowakei setzt sich zwei besondere Zielet: Erstens will sie durch Fortführung ihrer Aufklärungsarbeit die Jllusionen örtlicher und kolonialer „demokratischer'' und „nationaler" Politik vernichten, durch welche bürgerliche und kleinbürgerliche '(volkssozialistische und sozialdemokratische) Zionisten die Energien des jüdisch en Proletariats vom revolutionären Klassenkampfe ablenken und ihren eigenen. Klassenzielen nutzbar machen wollen. Zweitens hält es die J. K. P. der Tschechoslowakei für ihre unbedingte kommunistische Pflicht, im jüdischen wjejm übrigen revolutionären Proletariate das Verständnis für die besonderen Probleme zu erwecken, welche s'iöhi aus den eigenartigen ökonomischen und Siedlüngsvarlhältniissärt der jüdischen proletarischen und halbproletarischen Massen ergeben und die besonders im Osten dieses Staates (Podkarpatska Rus) deutlich in Erscheinung treten. Sie will die Bedingungen des Klassenkampfes des jüdischen Proletariats aufzeigen, dessen Basis durch die fortschreitende jüdische Arbeiteremigration geschwächt wird. Daher bildet die Regulierung wie auch territoriale Konzentrierung der Emigration und ihre Benützung zur nationaeln" Interessen derselben Nation, ohne imstande zu sein, die ersteren von den letzteren abzusonderen und die Parteiarbeit auf ihnen aufzubauen. Dieser Umstand führt ebenfalls zu einem Abrücken vom Kommunismus in der Richtung eines bürgerlich-demokratischen Nationalismus, der mitunter die oFrm des Panslavismus oder Panturkismus (im Orient) annimmt. Diese beiden schädlichen Abweichungen von den Prinzipien des kommunistischen Internationalismus schöpfen ihre Kratt aus der in der ersten Zeit unvermeidlichen Verunreiniir gung der kommunistischen Organisationen in den Randgebieten. Einerseits machen sich ausbeuterische Elemente aus den Kolonisatoren an die Partei heran, anderseits dringen in die Partei . Vertreter der einheimischen ausDeuterischen Gruppen. -~ Der Parteitag verurteilt diese beiden Abweichungen als ■ lür die Sache des Kommunismus schädlich und gefährlich', auls entschiedenste und hält es für nötig, die besondere Gefahr und die besondere Schädlichkeit der ersten Abweichung hervorzuheben, der Abweichung in der Richtung der Souveränität des Kolonisatorentums. Der Parteitag erinnert daran, daß es unmöglich ist, ohne Ueberwindung der kolonisatorischen und nationalistischen Ueberbleibsel in der Partei in den Randgebieten feste und mit den Massen verbundene wirklich kommunistische Organisationen zu schaffen, die in ihren Reihen die proletarischen und halbproletarischen Elemente der einheimischen und russischen Bevölkerung aut den Boden des Internationalismus zusammenschließen. Der Parteitag glaubt deshalb, daß die Liquidierung der nationalistischen und vor allem der kolonisatorischen Schwankungen im Kommunismus eine der wichtigsten Autgaben der Parter in den Randgebieten darstellt. Indem der Parteitag zu einem entschlassenen Kampf mit allen quasi kommunistischen Elementen aufruft, die sich an die Partei des Proletariats anbiedern, warnt er zugleich vor~ einer Erweiterung auf Kosten der kleinbürgerlichen nationalistischen und ausbeutersichen Elemente' Zugleich betont der Parteitag die Notwendigkeit einer geschickten und organisierten Ausnützung aller ehrlichen und bewährten Elemente) unter den Kopfarbeitern der vormals unterdrückten Völker für die Sowjetarbeit in den östlichen Grenzgebieten. Seite 7 Produktivierung der jüdischen Massen in Palästina und allen anderen Einwanderungsländern wichtige Tagesaufgaben des jüdischen Proletariats. Die J. K. P. der Tschechoslowakei wird den 'Augenbjfick besonders freudig begrüßen, wo das Verständnis für die propagandistischen und organisatorischen Autgaben im jüdischen Profeläriate in der internatiomallen kommunistischen Bewegung ein allgemeines geworden sein wird. Sie hofft insbes onders, daß der III. Kongreß der Kommunistischen Internationale die volle Anerkennung des kommunistischen Poale-Zponismus und die zweckmäßige o rganisative Eingliederung des JüdischenKommunistischen Weltverbandes in die Weltpartei des internationalen kommunistischen Proletariats bringen wird. Es lebe de Kommunistische Internationale! Es lebe die pro!etarische Weltrcvokitioa! II. Resolution über die Gründung der internationalen Komütaafr* siischen Partei der Tschechoslowakei, Der Reichsparteitag der J. K. P. der Tschechoslowakei beauttragt den Parteivorstand, den kommunistischen Parteien und Gruppen der Tschechoslowakei den Konstituierungs-Beschluß der J. K. P. d. Tsch. mitzuteilen, mit dem Ersuchen, um Einberufung einer Kommission aller dieser Parteiien, mit dem1 Wunsche, die Vereinigung aller kommunistischem Parteien in eine zentralisierte internationale kommunistische Partei ehestens, womöglich schon vor dem, III. Kongreß der Kommunistischen Internationale durchzuführen. III. Begriißungsresoluiion an die inhaftierten Kommunismen der Tschechoslowakei Der konstituierende Parteitag der' Jüdischen Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei sendet den in den Gelängnissen der „demokratischen" tschechoslowakischen Republik schmachtenden heldenmütigen Vorkämplern der proletarischen ' Revolution seine herzlichsten Grüße und gibt der Ueberzeugung Ausdruck, daß das international vereinigte revolutionäre Proletariat der Tschechoslowakei ihre baldige Be- ~ Irekmg erzwingen wird. IV. Resolution über die Partelpresse., Der III. ordentliche Reichsparteitag beschließt, den Namen des Parteiblattes in „Der Funke", Organ der Jüdischen Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei, abzüändern. Der Parteivorstand wird lerner beauftragt, alle erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die baldige Herausgabe eines jiddisch geschrie'benen Parteiorganes für dje Pod Karpatska Rus durchzuführen. V. BegrüBnagsresolutiofl an die Kommunistische Partei Paläsiinas. Der konstituierende Reichsparteitag der J. K. P. der Tschechoslowakei begrüßt auls freudigste die Konstituierung der Kommunistischen Partei Palästinas', Sektion der Kommunistischen Internationale, und ihrer jüdischen Sektion, Sie erblickt in. diesem entschlossenen Schritt na h vorwärts nicht nur die Schaffung einer wichtigen Position ziur Verstärkung des proletarischen Charakters der Revolution im nahen Osten durch Gründung einer revolutionären Partei des jüdischen und arabischen Proletariats, sondern auch die} Gewähr für die siegreiche Erkämpfung e i n e s S o w j e tpalästinas und die Realisierung des kommunistischen. Poale-Zionismus. Sie weiß diesen mutigen Schritt der kommunistischen Poale-Zion Palästinas um so mehr zu würdigen, als die palästinensischen Genossen nicht nur der schärfsten Persiekution seitens der imperialistischen englilsch-zioaistjschen Lanjdieljlegjerung und seitens der bürgerlichen Parteien ausgesetzt sind, sondern auch gegen die unerhörteste» Verüolgiun|gejn/, Denunziationen und wirtschaftlichen Drangsalierungen durch die nationalistischen Sozialverräter des „Hapoel Hazai.r" und der „Achduth Haawodah" anzukämplen haben. Die. J. K. P. der Tschechoslowakei1 wird sich nicht mit Protestaktionen begnügen. Sie wird nichts unversucht lassenji um die palästinensischen Genossen in ihrem schweren Kampfe) moralisch und materielll zu unterstützen. Auch den örtlichen revolutionären Kampf werden ihre Mitglieder mit verdoppelter Energie mitkämpfen in dem Bewußtsein, mit der, hiesigen internationalen Bourgeoisie auch jenes jüdischer Bürgertum und Kleinbürgertum zu treffen, das der heuchlerische Verbündete und Helfershelfer auchderpalästinensischenKonterrevolution ist. - Die J. K. P. der Tschechoslowakei begrüßt die heldenmütigen palästinensischen Genossen aufs herzlichste. Es lebe die Kommunistische Partei Palästinas, Sektion der Kommunistischen Internationale." VI. Resolution betreifend die Verbandsdelegatioa zum 3. Kongreß der Kommunistischen Internationale, Der Parteitag spricht den Wünsch aus und beauftragt seinen Delegierten, diesen Wunsch in der Verbandsdelegatioa zu vertreten, daß die Delegation des Weltverbandes zum III. Kongreß der Kommunistischen Internationale nach folgenden Richtlinien zu wirken hat: 1. Die Verbandsdelegation begrüßt den Beschluß des engeren Exekutivkomitees, prinzipiell ein Jüdisches Büro beim Exekutivkomitee zu gründen. 2. Die Verbandsdelegation hat dahin zu wirken, rjaft die Kompetenzen des Jüdischen Büros durch eine Konferenz aller jüdischen Sektionen, der kommunistischen Parteien der ganzen Welt festgesetzt werden solle».